Wenn Berlin ein Buch wäre...
Es ist nicht wirklich günstig, wenn man eine Rezension schreiben möchte und erstmal per se sprachlos ist. Allerdings bin ich das, denn ich bin mir nicht sicher was ich hier gerade gelesen habe.
Ja, ohne Frage hatte ich eine Ahnung worauf ich mich eingelassen habe, denn schließlich war schon der Klappentext eine ganz wilde Nummer und die Leseprobe war noch ein bisschen wilder.
Ich gebe mir aber Mühe meine Sprachlosigkeit zu überwinden und meine Eindrücke und Meinung über “Hope Joanna” in Worte zu fassen.
Horst Evers “Hope Joanna” erzählt von der gleichnamigen Kriminalkommissarin Hope Joanna Marlow, ein Wendekind im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie wurde am Tag des Mauerfalls als Kind einer ostdeutschen Mutter und eines westdeutschen Vaters geboren. Polizistin wurde sie um als Taekwondo-Kämpferin bei den Olympischen Spielen eine Chance zu haben und geblieben ist sie, weil sie ihren Traumberuf gefunden hat. Zusammen mit ihren beiden Kollegen versucht sie eine mysteriöse Mordserie aufzuklären, die sie tief ins rechtsradikale Milieu und in die Welt der Verschwörungsmythen führt.
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Ja und ungefähr so habe ich auch geschaut, als ich den Klappentext des Buches gelesen habe und wusste sofort: Darüber will ich unbedingt mehr wissen.
Man wird ohne große Umschweife ins Buch geworfen. Wobei wir im Verlauf der Handlung nicht ausschließlich Hope Joanna folgen, sondern auch kurze Abstecher zu anderen Schlüsselcharakteren der Geschichte machen. Ab und an gibt es aber kleine Sprünge in der Geschichte, die einen erst einmal verwirren, weil man gar nicht so recht weiß wie sich diese nun einfügen können. Allerdings schafft es Horst Evers, diese Verwirrungen aufzuklären, sodass es ein insgesamt stimmiges Bild wird. Manchmal hat man auch ein wenig das Gefühl, dass Evers dies auch als erzählerisches Mittel benutzt, denn nicht nur ich, sondern auch die Figuren wirkten doch des Öftern ziemlich durch den Wind.
Generell, was den Schreibstil angeht, bemerkt man auf jeder Seite, dass Evers aus dem Kabarett kommt. Der Stil des Buches ist locker, humorvoll und an jeder Ecke geprägt von der Berliner Schnauze. Dabei hat man das Gefühl, dass man die Geschichte gerade in der Kneipe an der Bar erzählt bekommt. Keine ausgefeilte Sprache, einfach Alltagsbeobachtungen, mit viel Humor und einer riesigen Portion Satire. “Hope Joanna” ist eine rasante Geschichte, die mir die gesamte Zeit wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen ist. Ich hatte kaum eine Chance mal Luft zu holen. Entweder habe ich kopfschüttelnd die abstrusen Situationen beobachtet oder ich musste über die Situationskomik oder diverse gut eingestreute Pointen lachen.
Interessant fand ich, dass Horst Evers das Genre des Kriminalromans nutzt, denn ich hatte beim Lesen eher das Gefühl, dass dieser immer wieder in den Hintergrund rückt. Tatsächlich ist “Hope Joanna” auch kein klassischer Kriminalroman, dieser dient eher als loses Skelett um dem rasenden Irrsinn dieses Buches eine Struktur zu geben. Stattdessen verstehe ich das Buch eher als eine Satire oder Sozialkritik unserer aktuellen Zeit. Einer Kritik an rechtsradikalen Verschwörungstheoretikern, die sich in einer ganz eigenen Bubble befinden und das tun, was man eben so tut. schwurbeln, Führerelixieren hinterherforschen und Bier trinken.
Das ist Horst Evers sehr gut gelungen. Dabei werden sehr viele Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen und Personen gezogen. Manchmal habe ich mich dabei ertappt mich zu fragen, ob das was gerade geschrieben wurde, vielleicht nicht auch ein bisschen Wahrheit beinhaltet. Kritik, an einer Welt in der zwei faschistische Gruppierungen konkurrieren und verschiedener in ihrer Art und Weise nicht sein könnten, das ist das Buch, auch wenn es im satirischen Mantel gekleidet ist.
Trotzdem konnte mich Horst Evers nicht ganz abholen. Das liegt vor allem daran, dass ich einen Kriminalroman erwartet habe, den ich nicht bekommen habe. Wie schon vorher angemerkt, rückt die Aufklärung des Mordfalls das ein oder andere Mal eher in den Hintergrund um dafür Platz zu machen für skurrile Momente der Protagonisten. Oft habe ich mich dann gefragt, warum man diese Szene jetzt unbedingt ins Buch aufnehmen musste. Und ja sie gehören alle hin wo sie hingehören, sind aber eher Teil der Satire, als des Krimis. Somit war am Ende auch der Plottwist für mich eher ernüchternd. Wenn man einen Kriminalroman erwartet, erhofft man sich auch einen mindblowing Plottwist. Der blieb hier aus, ich habe zwar nicht mit dem Mörder gerechnet, aber das lag einzig und allein daran, dass ich halt gar nicht wirklich im Verbrechen drin war.
Trotz allem hat mir “Hope Joanna” Spaß gemacht, wenn ich es einfach außer Acht lasse, dass ich etwas anderes erwartet habe. Es war ein amüsanter Ausflug nach Berlin, den ich auf jeden Fall wieder machen würde, aber nur wenn ich dann weiß, dass ich keinen Krimi erwarten sollte.
Ja, ohne Frage hatte ich eine Ahnung worauf ich mich eingelassen habe, denn schließlich war schon der Klappentext eine ganz wilde Nummer und die Leseprobe war noch ein bisschen wilder.
Ich gebe mir aber Mühe meine Sprachlosigkeit zu überwinden und meine Eindrücke und Meinung über “Hope Joanna” in Worte zu fassen.
Horst Evers “Hope Joanna” erzählt von der gleichnamigen Kriminalkommissarin Hope Joanna Marlow, ein Wendekind im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie wurde am Tag des Mauerfalls als Kind einer ostdeutschen Mutter und eines westdeutschen Vaters geboren. Polizistin wurde sie um als Taekwondo-Kämpferin bei den Olympischen Spielen eine Chance zu haben und geblieben ist sie, weil sie ihren Traumberuf gefunden hat. Zusammen mit ihren beiden Kollegen versucht sie eine mysteriöse Mordserie aufzuklären, die sie tief ins rechtsradikale Milieu und in die Welt der Verschwörungsmythen führt.
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Ja und ungefähr so habe ich auch geschaut, als ich den Klappentext des Buches gelesen habe und wusste sofort: Darüber will ich unbedingt mehr wissen.
Man wird ohne große Umschweife ins Buch geworfen. Wobei wir im Verlauf der Handlung nicht ausschließlich Hope Joanna folgen, sondern auch kurze Abstecher zu anderen Schlüsselcharakteren der Geschichte machen. Ab und an gibt es aber kleine Sprünge in der Geschichte, die einen erst einmal verwirren, weil man gar nicht so recht weiß wie sich diese nun einfügen können. Allerdings schafft es Horst Evers, diese Verwirrungen aufzuklären, sodass es ein insgesamt stimmiges Bild wird. Manchmal hat man auch ein wenig das Gefühl, dass Evers dies auch als erzählerisches Mittel benutzt, denn nicht nur ich, sondern auch die Figuren wirkten doch des Öftern ziemlich durch den Wind.
Generell, was den Schreibstil angeht, bemerkt man auf jeder Seite, dass Evers aus dem Kabarett kommt. Der Stil des Buches ist locker, humorvoll und an jeder Ecke geprägt von der Berliner Schnauze. Dabei hat man das Gefühl, dass man die Geschichte gerade in der Kneipe an der Bar erzählt bekommt. Keine ausgefeilte Sprache, einfach Alltagsbeobachtungen, mit viel Humor und einer riesigen Portion Satire. “Hope Joanna” ist eine rasante Geschichte, die mir die gesamte Zeit wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen ist. Ich hatte kaum eine Chance mal Luft zu holen. Entweder habe ich kopfschüttelnd die abstrusen Situationen beobachtet oder ich musste über die Situationskomik oder diverse gut eingestreute Pointen lachen.
Interessant fand ich, dass Horst Evers das Genre des Kriminalromans nutzt, denn ich hatte beim Lesen eher das Gefühl, dass dieser immer wieder in den Hintergrund rückt. Tatsächlich ist “Hope Joanna” auch kein klassischer Kriminalroman, dieser dient eher als loses Skelett um dem rasenden Irrsinn dieses Buches eine Struktur zu geben. Stattdessen verstehe ich das Buch eher als eine Satire oder Sozialkritik unserer aktuellen Zeit. Einer Kritik an rechtsradikalen Verschwörungstheoretikern, die sich in einer ganz eigenen Bubble befinden und das tun, was man eben so tut. schwurbeln, Führerelixieren hinterherforschen und Bier trinken.
Das ist Horst Evers sehr gut gelungen. Dabei werden sehr viele Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen und Personen gezogen. Manchmal habe ich mich dabei ertappt mich zu fragen, ob das was gerade geschrieben wurde, vielleicht nicht auch ein bisschen Wahrheit beinhaltet. Kritik, an einer Welt in der zwei faschistische Gruppierungen konkurrieren und verschiedener in ihrer Art und Weise nicht sein könnten, das ist das Buch, auch wenn es im satirischen Mantel gekleidet ist.
Trotzdem konnte mich Horst Evers nicht ganz abholen. Das liegt vor allem daran, dass ich einen Kriminalroman erwartet habe, den ich nicht bekommen habe. Wie schon vorher angemerkt, rückt die Aufklärung des Mordfalls das ein oder andere Mal eher in den Hintergrund um dafür Platz zu machen für skurrile Momente der Protagonisten. Oft habe ich mich dann gefragt, warum man diese Szene jetzt unbedingt ins Buch aufnehmen musste. Und ja sie gehören alle hin wo sie hingehören, sind aber eher Teil der Satire, als des Krimis. Somit war am Ende auch der Plottwist für mich eher ernüchternd. Wenn man einen Kriminalroman erwartet, erhofft man sich auch einen mindblowing Plottwist. Der blieb hier aus, ich habe zwar nicht mit dem Mörder gerechnet, aber das lag einzig und allein daran, dass ich halt gar nicht wirklich im Verbrechen drin war.
Trotz allem hat mir “Hope Joanna” Spaß gemacht, wenn ich es einfach außer Acht lasse, dass ich etwas anderes erwartet habe. Es war ein amüsanter Ausflug nach Berlin, den ich auf jeden Fall wieder machen würde, aber nur wenn ich dann weiß, dass ich keinen Krimi erwarten sollte.