Witzig und absurd

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
duckyputz Avatar

Von

Horst Evers erzählt in „Hope Joanna“ von einer Berliner Kommissarin mit ungewöhnlicher Vergangenheit. Hope Joanna Marlow war früher Taekwondo-Vizemeisterin und wird durch ein zufälliges Video im Netz über Nacht bekannt. Während sie als eine Art Heldin gefeiert wird, interessiert sie das selbst kaum. Stattdessen arbeitet sie mit ihrem Team an einem zunehmend absurden Fall, der sich lange nicht klar einordnen lässt. Die Handlung bleibt durchgehend geradlinig, auch wenn die Ereignisse immer überdrehter werden. Zwischen Action, Humor und Ermittlungsarbeit tauchen immer wieder kleine Seitenhiebe auf Gesellschaft und Alltag auf.
Stärken hat der Roman vor allem im Tempo und im Humor. Die Dialoge sind treffend und locker, ohne bemüht zu wirken. Viele Szenen leben von schrägen Einfällen, die sich schnell aneinanderreihen und kaum Leerlauf lassen. Die Mischung aus Krimi und Komödie funktioniert erstaunlich gut, auch weil die Spannung nie ganz verloren geht. Der eingängige Titel bleibt tatsächlich im Kopf, und das Buch liest sich insgesamt sehr flüssig. Auch die klare Struktur hilft, immer am Ball zu bleiben.
Schwächer ist, dass vieles vorhersehbar wirkt. Einige Figuren bedienen bekannte Klischees und könnten auch aus Fernsehproduktionen stammen. Die ständige Steigerung ins Absurde nutzt sich stellenweise etwas ab. Nicht jeder Witz zündet, und manche Ideen wirken eher wie schnelle Gags als durchdachte Elemente der Handlung. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck positiv, weil das Buch genau das liefert, was es verspricht: unterhaltsame, leichte Lektüre mit Tempo und Witz.