Graphic Novel über das Erwachsenwerden – authentisch, aber weit weg?

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lieserl Avatar

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Das Cover von „How It All Ends“ wirkt sehr verträumt und hat mich optisch direkt angesprochen. Den skizzenhaften Zeichenstil fand ich anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, doch er passt auch zur emotionalen Innenwelt der 13-jährigen Protagonistin. Ein kleiner Wermutstropfen: Die sehr weiche Gestaltung des Covers könnte dazu führen, dass sich Jungen weniger angesprochen fühlen, obwohl die Geschichte selbst in der Leseprobe eher geschlechtsneutral wirkt.

Die Protagonistin Tara ist durch ihre fantasievollen Tagträume sehr sympathisch, wenn auch in der Leseprobe noch nicht ganz greifbar. Besonders interessant finde ich die Konstellation zwischen ihr und ihrer zwei Jahre älteren Schwester. Dass Tara als intelligentes, verträumtes Kind mit wenigen Freunden dargestellt wird, ist eine Charakterzeichnung, die ich so auch aus meinem persönlichen Umfeld kenne. Das macht die Geschichte für mich sehr authentisch.

Der zentrale Konflikt – das plötzliche Überspringen einer Klasse und der damit verbundene Wechsel an die Highschool – sorgt für ordentlich Spannung. Für deutsche Leser wirkt die Darstellung allerdings etwas übertrieben und realitätsfern, da ein solcher Prozess hierzulande niemals ohne ausführliche Elterngespräche „über den Kopf des Kindes hinweg“ entschieden würde. Auch das US-amerikanische Setting könnte es für hiesige Kinder in der Zielgruppe erschweren, sich vollends in die Geschichte hineinzuversetzen.

Trotz der kulturellen Unterschiede ist Taras innerer Konflikt und ihre Angst vor der Veränderung sehr gut nachvollziehbar. Die humorvollen Szenen, wie der Protest gegen die „Salattyrannei“, lockern die ernsten Themen auf, wirken aber noch etwas isoliert. Ich bin sehr neugierig, wie Tara sich an der Highschool schlagen wird und kann mir gut vorstellen, dass Kinder mit einer ähnlichen Persönlichkeit diesen Comic verschlingen werden.