Rau und verletzlich

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Das schnörkellose, weiße Cover mit der klaren Schrift lässt sofort auf eine unaufgeregte, aber tiefgründige Erzählung schließen und gefällt mir in seiner Schlichtheit sehr gut.Der Schreibstil von Beatrix Gerstberger hat mich ab der ersten Zeile gefesselt. Er ist raunend, bildhaft, kraftvoll und transportiert perfekt die raue, salzige Atmosphäre der Küste von Maine. Den Spannungsaufbau in dieser Leseprobe finde ich meisterhaft gelöst: Durch den Wechsel der Perspektiven wird ein dichtes Netz aus Vergangenheit, verpassten Chancen und ungelösten Liebesgeschichten gewoben, das eine unterschwellige, emotionale Dynamik erzeugt.Die bisher vorgestellten Charaktere sind herrlich unperfekt und tiefgründig. Die 73-jährige Julie, die trotz schwerer körperlicher Versehrtheit und tiefer Trauer der Einsamkeit „in den Hintern treten“ will und im Supermarkt für einen skurrilen Auftritt sorgt, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch die zerrissene Mina und die knallharte Ur-Fischerin Ann wirken absolut authentisch und menschlich.Ich erwarte von der Geschichte ein packendes Generationen- und Beziehungsdrama vor einer rauen Naturkulisse. Ich möchte das Buch unbedingt weiterlesen, um zu erfahren, wie Lucas Rückkehr nach Maine das alte Beziehungsgeflecht zwischen Mina und Sam sprengt und ob Julie ihr spätes Glück auf dem Meer findet.