Eine Fortsetzung, die mich nicht ganz überzeugt hat

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Beatrix Gerstenberger: HummerJahre

Obwohl nichts mehr so ist, wie es war, begegnen wir erneut den Hummerfrauen aus Maine, deren Schicksal wir im ersten Roman von Beatrix Gerstenberger „Die Hummerjahre“ kennen lernen und lieben durften. Allerdings hat mich die Fortsetzung nicht ganz überzeugt.

🦞 Worum geht’s?

Das Leben hat sich geändert auf den beiden Inseln Eagle und Stone Island. Ann ist tot und auch Julie Coopers Ehemann Nat nun schon seit vier Jahren. Mina, die damals schwanger sozusagen vor Anns Füße gespült worden und bei ihr geblieben war, lebt mittlerweile mit Carlos und ihrer Tochter in Seattle.

Nun will Minas Tochter Luca eine Weile ihren Vater auf der Insel besuchen. Sam, den Künstler und Fotografen, der nie in die Fußstapfen seines Vaters und verstorbenen Bruders als Hummerfischer stapfen wollte. Und der Mina abgöttisch liebte, aber es nicht geschafft hat, bei ihr zu bleiben, weil es ihn mit all seiner Melancholie in die Welt hinauszog.
Auch ihre Eltern reisen nach Maine, da es Richards letzter Wunsch seit seiner Krebserkrankung ist, in dem alten Ferienort
noch einmal der Vergangenheit zu begegnen.

In einzelnen Kapiteln in Rückblenden treffen wir sogar Ann wieder, die nicht nur mit Mina und Luca, sondern auch mit dem blauen Hummer Mr. Darcy ein WG-Leben führt.

Erneut begegnet uns auch Julie, die immer noch um Nat trauert, aber ihr „Wunsch nach Liebe nahm manchmal Züge an, die sie selbst verstörten.“
Diese Kapitel mochte ich fast am liebsten, denn ihre sarkastische Art, ihr nicht ganz so subtiler Humor ist schon wirklich einzigartig.
Julie ist einfach ne Marke!

🌊 Rückschau vs. Gegenwartshandlung

In verschiedenen Kapiteln kommen die einzelnen Figuren zu Wort. Sie leben in Erinnerungen von verlorenen Lieben, verlassenen Frauen, verstorbenen Männern und Söhnen. Dabei bleibt die Handlung der Gegenwart auf der Strecke, denn, dass Mina wieder mit Sam zusammenkommt, erfährt man schon recht bald. Der gute Carlos lebt derzeit weiter, nichts ahnend in Seattle.

🐦‍⬛ „Vergiss nie im Regen zu tanzen“

Mina hat zwar gespürt, dass es soweit kommen würde, wenn sie zurück nach Eagle Island kehrt, aber sie kämpft weiterhin mit Sams Unberechenbarkeit sowie dem schlechten Gewissen Carlos gegenüber.
Doch alles ist im Fluss, die Liebe löst sich nicht in Luft auf. Aber die Liebe, zu wem?

Diese Zerrissenheit trägt ihre Geschichte und dennoch muss man ihr Handeln erstmal nachvollziehen können. Carlos hat ihr die ganze Welt zu Füßen gelegt, während ihr Herz immer noch in Stone Harbour hängt.

Mich hat diese Mischung aus Rückschauen und wenig Handlungsfokus, der auch teils vorhersehbar, teils frustrierend ist, nicht abgeholt oder berührt. Das fand ich sehr schade, da ich nach wie vor ein großer Fan des ersten Bandes bin. ☹️