Eine Geschichte über Familie, Vergangenheit und den Mut, man selbst zu sein

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flipfloplady007 Avatar

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„Hummerjahre“ von Beatrix Gerstberger ist kein Roman, den man mal eben in wenigen Sätzen zusammenfassen kann. Zu viele Lebensgeschichten, Beziehungen und vergangene Ereignisse sind miteinander verwoben. Genau das macht für mich aber auch den Reiz der Geschichte aus.

Im Mittelpunkt stehen zwei Familien und Menschen, die auf unterschiedliche Weise mit ihnen verbunden sind. Im Sommer treffen sie auf einer Insel zusammen, auf der viele Bewohner vom Hummerfang leben. Sie alle verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, die von einem großen Geheimnis überschattet wird.

Eine der zentralen Figuren ist Mina, die nach langer Zeit gemeinsam mit ihrer Tochter und ihren Eltern auf die Insel zurückkehrt. Dort trifft sie auch auf ihre Jugendliebe Sam, den Vater ihrer Tochter. Gleichzeitig wird die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter Judith thematisiert. Judith hatte immer andere Vorstellungen davon, wie Mina sein sollte, und so trägt auch diese Beziehung viele ungelöste Konflikte mit sich. Daneben gibt es weitere Figuren und Handlungsstränge, die teilweise in der Vergangenheit spielen und sich nach und nach zu einem großen Ganzen verbinden.

Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive verschiedener handelnder Personen. Diese Erzählweise hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich gerade am Anfang etwas Schwierigkeiten hatte, die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren zuzuordnen. Da es sich offenbar um den zweiten Teil handelt und ich den ersten Band nicht kenne, fehlten mir hier teilweise die Zusammenhänge. Sobald ich mich jedoch eingefunden hatte, hat mich die Geschichte wirklich gefesselt.

Besonders die Figuren haben mich überzeugt. Jeder von ihnen trägt sein eigenes Päckchen und viele haben ihre Ecken, Kanten und ganz eigenen Eigenheiten. Manche wirken zunächst vielleicht etwas merkwürdig, aber je besser man sie kennenlernt, desto verständlicher werden ihre Handlungen. Besonders schön fand ich, dass die Figuren sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln. Sie lernen aus ihrer Vergangenheit, lösen sich von altem Schmerz und treffen Entscheidungen, die sie lange vor sich hergeschoben haben.

Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Beatrix Gerstberger schreibt sehr bildlich und schafft es gleichzeitig, die Gefühle ihrer Figuren greifbar zu machen. Für mich standen deshalb weniger die Spannung oder die Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern vielmehr die Emotionen und die Entwicklung der einzelnen Charaktere. Trotzdem wollte ich unbedingt erfahren, welches Geheimnis sich hinter Judith verbirgt.

Das Buch hat mich außerdem zum Nachdenken gebracht. Eine Botschaft, die für mich besonders heraussticht, ist die Frage, wie sehr wir unser Leben danach ausrichten, was andere von uns erwarten – und wie wichtig es ist, irgendwann den Mut zu finden, einfach man selbst zu sein.

„Hummerjahre“ ist für mich keine klassische Liebesgeschichte, sondern vielmehr ein Roman über Familie, Freundschaft, alte Wunden und die Frage, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen. Wer gerne tiefgründige Geschichten liest, bei denen die Entwicklung der Figuren und ihre Gefühle im Mittelpunkt stehen, dem kann ich das Buch empfehlen.

Mich hat die Geschichte berührt und noch eine Weile beschäftigt. Deshalb vergebe ich 5 von 5 Sternen.