Eine wunderschöne Fortsetzung

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franzel_79 Avatar

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„Hummerjahre“ von Beatrix Gerstberger war für mich vor allem eines: ein wunderschönes Wiedersehen mit Eagle Island und den Menschen, die mir schon in „Die Hummerfrauen“ ans Herz gewachsen sind.

Viele Jahre sind vergangen und das Leben hat bei allen seine Spuren hinterlassen. Mina kehrt gemeinsam mit ihrer Tochter Luca und ihren Eltern zurück nach Maine und muss sich dort nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch alten Gefühlen stellen. Julie wiederum versucht nach schweren Verlusten herauszufinden, wie ihr Leben weitergehen kann, während Judith mit einer Schuld konfrontiert wird, die sie schon viel zu lange mit sich herumträgt.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass Beatrix Gerstberger ihre Figuren nicht einfach dort weitermachen lässt, wo der erste Band aufgehört hat. Sie sind älter geworden, haben Menschen verloren, Entscheidungen getroffen und müssen nun mit den Konsequenzen leben. Dadurch fühlt sich die Geschichte unglaublich lebensnah an.

Und dann ist da natürlich wieder Maine. Die Insel, das Meer, der Wind, die Hummerboote – beim Lesen hatte ich sofort wieder Bilder im Kopf. Diese besondere, raue Küstenatmosphäre gehört für mich genauso zu der Geschichte wie die Figuren selbst. Man bekommt beinahe Sehnsucht nach einem Ort, an dem man noch nie gewesen ist.

„Hummerjahre“ ist dabei deutlich melancholisch. Es geht um Abschied und Trauer, um verpasste Chancen und die Frage, wie lange uns Entscheidungen aus der Vergangenheit begleiten. Trotzdem empfand ich das Buch nie als bedrückend. Zwischen all diesen schweren Themen steckt immer wieder Hoffnung und vor allem die Erkenntnis, dass ein Neuanfang keine Frage des Alters ist.

Besonders schön fand ich die unterschiedlichen Frauenfiguren. Jede steht an einem anderen Punkt ihres Lebens und jede muss auf ihre eigene Art lernen, loszulassen. Gerade dieses Unperfekte und Widersprüchliche macht sie für mich so glaubwürdig.

Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und sehr atmosphärisch. Durch die verschiedenen Perspektiven und die Rückblicke setzt sich nach und nach ein größeres Bild zusammen. Wer „Die Hummerfrauen“ gelesen hat, wird dabei vieles noch einmal mit anderen Augen betrachten.

Für mich ist „Hummerjahre“ eine sehr emotionale und gelungene Fortsetzung, vielleicht sogar noch etwas nachdenklicher als der erste Teil. Ein Roman über das Älterwerden, Familie, Freundschaft und Liebe – aber vor allem darüber, dass wir unsere Vergangenheit nicht ändern können, sehr wohl aber unseren Umgang mit ihr.

Ein Buch, das mich zurück nach Maine gebracht hat und mich mit diesem ganz besonderen Gefühl zwischen Melancholie und Hoffnung zurücklässt. ❤️🦞🌊