Fulminante Fortsetzung einer wunderschönen Geschichte

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susank Avatar

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SIebzehn Jahre ist es her, seit Mina mit ihrer Tochter Luca und ihrem jetzigen Ehemann Carlos nach Seattle gezogen ist, nun kehrt sie zusammen mit ihrer Tochter, ihrem todkranken Vater Richard und ihrer Mutter JUdith zurück nach Eagle Island, wo sie auf Lucas Vater Sam trifft und vor einer Entscheidung steht. Auch für Judith bringt diese Reise Erinnerungen und Schuldgefühle zurück, denn ihre Handlungen damals haben das Leben ihres Sohnes zerstört, der mitschuldig an Ellis und Janes Sohn Jack war, der wiederum deren Ehe auseinanderbrachte. Und nicht zuletzt ist da auch Julie, Minas ZIehoma, die den Verlust ihres Mannes und ihrer besten Freundin Ann betrauert.....

Nach ihrem fulminanten Romandebüt "Die Hummerfrauen" legt die Journalistin und nunmehr Bestseller-Autorin Beatrix Gerstberger nun den Nachfolgeband "Hummerjahre" vor. Obwohl es viele Rückblicke und Erinnerungen gibt, kann ich mir gut vorstellen, dass der volle Lesegenuss nur entsteht, wenn der erste Band bekannt ist.

Gerstberger erzählt bildhaft und höchst einfühlsam und wechselt dabei regelmäßig die Perspektive zwischen ihren Hauptfiguren (als personale Erzählerin); ebenso wechselt sie auch die Zeiten und nimmt ihre Leser*Innen mit in die Vergangenheit. Die Wechsel sind klar gekennzeichnet und gut nachvollziehbar, so dass stets die Ordnung bleibt. Gerade durch diese Rückblicke werden Zusammenhänge geklärt, die im ersten Band noch in der Schwebe blieben, wie zum Beispiel Anns Vergangenheit und Trennung von ihrer großen Liebe Carolyn.

Die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Schilderungen und setzt nicht auf schnelle Schnitte und künstliches Drama, was absolut zum THema passt.Und ihre Botschaft dabei ist eindeutig: der Wert von Freundschaft und LIebe und der Vergebung von Schuld.

Beatrix Gerstberger hat selbst einige Monate in einem Fischerdorf an der Ostküste der USA unter Hummerfischern gelebt und ist mit ihnen auf Fang gefahren. Das wir deutlich daran, wie intensiv und sensibel sie von der harten körperlichen Arbeit der Fischern schreibt und ihrer ausgeprägten Gemeinschaft.

Während es in den "Hummerfrauen" in erster Linie um Freundschaft ging, wechselt Gerstberger hier nun langsam immer mehr zum Thema "LIebe". Mina, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss, dem verlässlichen, ruhigen Carlos und dem impulsiven Sam, für den sie mehr Leidenschaft verspürt, der sie aber auch immer mehr zerrießt. Judith, deren Liebe zu ihrem Mann Richard und ihrer Tochter Mina erst jetzt wirklich zu erkennen ist. Ellis, der immer nur eine Frau geliebt hat und diese von Herzen zurücksehnt. Und schließlich Julie, die ohne ihren Mann Nat und ihre beste Freundin Ann verloren scheint und ihren Platz neu sucht. Zuletzt Ann, deren verlorene Liebe Carolyn endlich thematisiert wird. Dabei schreibt die Autorin empathisch und liebevoll, aber auch melancholisch.

Ihre Figuren sind mehrdimensional und mit viel Herz ausgearbeitet; ich habe es genossen, mit ihnen mitzulieben und mitzuleiden. Sehnsüchte nicht nur der Liebenden, sondern auch die vielfältigen Verlangen der vielen unterschiedlichen Bewohner von Maine sind aus dem Leben gegriffen und ich bin sicher, dass sich jede*r in ihnen wiederfindet. Beeindruckt hat mich bei der Lektüre, dass Gerstberger nicht wertet und keine ihrer Figuren verurteilt, auch, wenn diese durchaus schlechte Eigenschaften zeigen.

Die immer wieder eingestreuten "Lebensweisheiten" (meine liebste ist: "Oft entscheiden wir nicht zwischen Richtig und Falsch, sondern zwischen zwei Versionen von Verlust. Wenn wir bleiben, verlieren wir etwas. Wenn wir gehen, auch. Jede Entscheidung schließt eine Tür, und deshalb fühlen sich selbst gute Entscheidungen manchmal traurig an.") klingen niemals plakativ oder billig, sondern passen perfekt zu den Figuren und der Handlung.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auch das Wiedersehen mit dem blauen Hummer Mr. Darcy, der zu guter Letzt seine Aufgabe erfüllt und sich im Hummerballett eingliedert.

Meiner Meinung nach hat Beatrix Gerstberger sich mit ihrem zweiten Roman "Hummerjahre" noch einmal gesteigert. Mich hat dieser höchst atmosphärische Roman sehr berührt und ich empfehle ihn absolut weiter.