"Hummer sind das Sinnbild für Menschen, die Nähe suchen und sie gleichzeitig meiden"

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yernaya Avatar

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Als dieses Buch angekündigt wurde, war ich einerseits skeptisch, andererseits sofort überzeugt, dass ich es lesen muss. Skeptisch, weil HUMMERFRAUEN für mich eines der besten Bücher des vergangenen Jahres war, und ich Bedenken hatte, ob mich ein Nachfolgeband so berühren würde. Aber meine Neugier und Vorfreude auf das Buch war größer, als meine Bedenken. Also bin ich wieder Mina, Julie und Judith nach Eagle Island gereist, und wurde nicht enttäuscht.

Beatrix Gerstberger hat es wieder geschafft, mich in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Es war ein wunderschönes Wiedersehen mit bekannten Protagonist*innen. Allerdings sind seit den HUMMERFRAUEN gut zwei Jahrzehnte vergangen und so sind einige liebgewordene Personen nur noch in Rückblenden und Erinnerungen dabei. Ich kann mir vorstellen, dass die Kompexität des Romans für Leser*innen schwierig ist, die HUMMERFRAUEN nicht gelesen haben. Für mich war es wie für Mina eine Heimkehr. HUMMERJAHRE ist wie bereits das vorherige Buch zugleich anspruchsvoll und unterhaltend, wunderbar atmosphärisch und rauh wie das Meer, einfühlsam, oft tiefgründig, philosophisch, poetisch, doch dabei trotz der schwierigen Themen wie Trauer, Verlust, Trennung und Schuld an keiner Stelle trostlos oder schwermütig-trist. Dafür sorgt allein schon der wunderschöne Schreibstil, zudem die Authentizität der Figuren und der immer wieder aufblitzende Humor.

Sehr gelungen sind auch bei HUMMERJAHRE Cover und Einband, die an die HUMMERFRAUEN anschließen.

Nun frage ich mich, ob die Geschichte nun auserzählt ist, oder ob es ein weiteres Wiedersehen auf Eagle Island geben wird.

HUMMERJAHRE erhält von mir voller Überzeugung fünf Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐

Meine Lieblingszitate:

"Hummer sind das Sinnbild für Menschen, die Nähe suchen und sie gleichzeitig meiden" (S. 188)

"Die Liebe löste sich nicht in Luft auf, auch wenn man versuchte, sie zu verscheuchen, zu verbannen." (S. 275)

"Als Julie sie über den Strand wankend davongehen sah, in ihrem eleganten Sommermantel, der im Wind flatterte, dachte sie, dass Einsamkeit bei wohlhabenden Menschen oft nur besser angezogen war." (S. 307)