Rückkehr und Neuanfang

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
coni90 Avatar

Von

Mit "Hummerjahre" kehren wir nochmal zu den Hummerfrauen auf Eagle Island zurück und haben die Chance, die vertrauten und lieb gewonnen Figuren aus Beatrix Gesterbergers Roman "Die Hummerfrauen" wiederzutreffen. Im Nachfolgerroman werden einige Dinge aufgegriffen und zu Ende erzählt, die im ersten Band noch offen geblieben waren, wobei ich mit dem damaligen Ende durchaus gut hätte leben können. Nichtsdestotrotz freute ich mich sehr auf die Rückkehr nach Maine. Für Interessierte empfehle ich sehr, zunächst Band 1 zu lesen, um inhaltlich alles nachvollziehen zu können.

Die Geschichte wird erneut aus wechselnden Perspektiven erzählt. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Mina und Julie, aber auch Minas Mutter Judith sowie Annie aus der Vergangenheit bekommen neben kleineren Einschüben weiterer Figuren ihren Raum.

Seit Mina Eagle Island verlassen hat, sind einige Jahre vergangen. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann Carlos und ihrer mittlerweile 17-jährigen Tochter Luca in Seattle. Luca möchte mehr über ihre Wurzeln und die Familie väterlicherseits erfahren und beschließt deshalb, nach Eagle Island zu reisen, um dort das Krabbenfischen zu lernen. Mina begleitet sie - ohne Carlos - und merkt dabei, dass sie sich emotional noch immer nicht vollständig von Sam, dem Vater ihrer Tochter, gelöst hat. So bewegt sie sich weiterhin zwischen ihrer Vergangenheit mit Sam und ihrer Liebe zu Carlos.

Auch Julie muss mit Verlust und Einsamkeit umgehen. Nicht nur ihr Ehemann, auch Annie ist inzwischen verstorben, und ihr Fehlen macht sich in Julies Leben deutlich bemerkbar. Gleichzeitig kehren auch Minas Eltern für den Sommer auf die Insel zurück. Ihr Vater ist schwer krank und möchte die Gelegenheit nutzen, noch einmal an diesen besonderen Ort zurückzukehren und Abschied zu nehmen.

Ich war direkt wieder in der Geschichte angekommen und mochte besonders, wie der Roman die unterschiedlichen Themen miteinander verbindet. Trauer, Abschiednehmen, Versöhnung und die Hoffnung auf einen neuen Anfang finden hier einen schönen Mittelweg. Dabei wird die Geschichte durchaus melancholisch, verliert aber nie ihre positive und hoffnungsvolle Grundstimmung.

Wie schon im ersten Band mochte ich die angenehme Tiefgründigkeit und die besondere Atmosphäre sehr. Neben den persönlichen Schicksalen erhält man erneut interessante Einblicke in das Leben der HummerfischerInnen und die Gemeinschaft auf Eagle Island. Das alles macht den Roman für mich wieder zu einer sehr stimmungsvollen Lektüre, auch wenn mich dieser Band nicht ganz so überraschen konnte wie sein Vorgänger.

Das Ende hat mir ausgesprochen gut gefallen und fühlte sich rund und stimmig für mich an. Ein schöner Abschluss für die Hummerfrauen, von denen ich mich nur ungern verabschiede.