Sommer, Schuld und Seeluft

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Mit Hummerjahre reist Beatrix Gerstberger mit uns erneut nach Eagle Island und bereits vor der Landung, schafft es bereits das wunderschöne Cover, sich wieder in die sommerliche Atmosphäre der Insel vor der Küste Maines zu versetzen. Es fühlt sich ein wenig an wie ein Wiedersehen mit alten Freunden und wie ein Sommer, der für jeden von ihnen etwas anderes bereithält.
Im Mittelpunkt stehen erneut Mina, Julie und Judith, die jeweils ihre ganz eigenen Erfahrungen, Verletzungen und Herausforderungen mitbringen. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei Frauen erzählt und durch Rückblicke in die Vergangenheit ergänzt. Dadurch entfaltet sich nach und nach ein vielschichtiges Bild ihrer Beziehungen und ihrer gemeinsamen Geschichte. Im Zentrum stehen dabei große Themen wie Liebe, Verlust, Zugehörigkeit und Vergebung.
Besonders die Beziehungen zwischen den Frauen haben mich gefesselt. Gerade ihre unterschiedlichen Lebenswege und die Art, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben werden, machen den Roman zu einem Generationenroman, der vieles bereithält. Dabei sollte man den ersten Band der Hummerfrauen-Reihe unbedingt gelesen haben, denn Hummerjahre baut deutlich auf der Vorgeschichte auf und lebt auch davon, dass man die Figuren und ihre Geschichte bereits kennt. Für mich hat sich das Lesen dadurch tatsächlich wie ein Wiedersehen angefühlt.
Besonders geliebt habe ich erneut das Küstenflair. Beatrix Gerstberger gelingt es, Eagle Island so bildhaft und atmosphärisch zu beschreiben, dass man die raue Küstenluft beinahe selbst spüren kann. Dabei treffen Wärme und Herzlichkeit auf die manchmal schroffe Art der Inselbewohner, wodurch trockene Wortwitze zu humorvollen Dialogen führen, die mir ein kleines Schmunzeln entlockt haben.
Der Schreibstil ist malerisch, flüssig und feinfühlig. Die Autorin erzählt mit viel Wärme, lässt aber gleichzeitig vieles bewusst zwischen den Zeilen stehen. Gerade diese leisen Töne haben mich berührt. Es geht nicht nur um das, was ausgesprochen wird, sondern auch um all das, was unausgesprochen zwischen den Figuren liegt. Die Vergangenheit wird behutsam eingebunden und zeigt, wie sehr frühere Entscheidungen und Verletzungen bis in die Gegenwart hineinwirken.
Zum Ende hin hatte die Geschichte für mich leider etwas an Spannung und Tiefe verloren. Gleichzeitig bleiben einige Fragen offen, weshalb ich mir gut vorstellen könnte, dass Eagle Island noch nicht zum letzten Mal Schauplatz dieser Reihe war.
Insgesamt ist Hummerjahre für mich ein atmosphärischer, warmherziger Roman über Liebe, Verlust, Vergebung und die Hoffnung, dass das Leben selbst nach schweren Zeiten noch Überraschungen bereithält. Ein Buch für alle, die sich gerne in eine besondere Atmosphäre entführen lassen und Geschichten lieben, in denen nicht immer alles laut ausgesprochen werden muss.