Erfrischend anders, schnell erzählt und moralisch herausfordernd.

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fabelhaftefeder Avatar

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„Hustle“ hat mich von Anfang an überrascht. Der Schreibstil ist sehr flüssig, modern und vor allem zügig – die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man ständig denkt: Ach, eins geht noch. 📖✨ Die Geschichte entwickelt sofort Dynamik, ohne lange Anlaufzeit, und genau dieses Tempo trägt das ganze Buch.

Im Mittelpunkt steht Leonie, eine Protagonistin, die nach ihren eigenen Regeln lebt und Moral eher als flexible Größe betrachtet. Sie ist schlagfertig, clever und besitzt ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, zumindest aus ihrer eigenen Perspektive. Besonders spannend ist, wie sie mit Menschen umgeht, die sie als unfair oder respektlos empfindet. Das ist teilweise vorhersehbar, aber nie langweilig. Im Gegenteil: Man schmunzelt oft, weil ihre Reaktionen so konsequent, direkt und ungewöhnlich sind 😏. Genau das macht die Grundidee des Romans so erfrischend.

Sehr gelungen fand ich die Erzählperspektive. Die Geschichte ist nicht in der Ich-Form geschrieben, sondern aus einer beobachtenden Sicht, bei der alle Figuren mit Namen genannt werden. Dadurch wirkt das Buch fast wie eine Sammlung von Momentaufnahmen aus Leonies Leben, ein bisschen wie Einblicke in ein Tagebuch, ohne wirklich eines zu sein. Das ist ungewohnt, aber unglaublich fesselnd.

Neben der äußeren Handlung spielt auch Leonies familiärer Hintergrund eine große Rolle. Ihre Eltern tauchen immer wieder auf und bringen eine spürbare emotionale Schwere mit. Konflikte, Erwartungen und ungesunde Dynamiken werden hier sehr realistisch dargestellt und erklären viel von Leonies Verhalten. Das verleiht der Geschichte Tiefe und macht sie mehr als nur „unterhaltsam“.

Im Verlauf des Buches lernt Leonie neue Menschen kennen, die ein völlig anderes Leben führen und finanziell scheinbar erfolgreich sind. Diese Begegnungen wecken Neugier – nicht nur bei Leonie, sondern auch beim Lesen. Es schwebt ständig die Frage im Raum, womit dieses Leben eigentlich bezahlt wird und welchen Preis man dafür langfristig zahlt. Die Spannung entsteht dabei weniger durch Action als durch die moralische Unsicherheit: Was ist noch gerecht? Wo beginnt Selbstbetrug? Und wann überschreitet man eine Grenze?

Trotz ernster Themen wie Moral, Selbstwert, Abhängigkeiten und Lebensentscheidungen bleibt der Ton des Buches überraschend leicht. Die Dialoge sind oft witzig, manchmal bissig, dann wieder unerwartet tiefgründig. Diese Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit macht „Hustle“ sehr besonders 😊.

Am Ende war ich hin- und hergerissen. Ich mochte den Stil, das Tempo und den Mut der Geschichte sehr, wusste aber lange nicht, ob ich Leonies Entscheidungen wirklich gutheißen kann. Genau das ist für mich aber auch eine Stärke des Romans: Er zwingt einen nicht zu einer klaren Meinung, sondern lässt Raum für Zweifel und Nachdenken.