Hustle

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bobbember Avatar

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Hustle von Julia Bähr ist ein kluger, witziger und sprachlich großartig geschriebener Roman, der sich mit viel Tempo und Schärfe durch Fragen von Moral, Geld und Selbstverwirklichung bewegt. Leonie ist eine Protagonistin, die aneckt – sie hält sich nicht an Regeln, wenn diese für sie keinen Sinn ergeben. Ob kleine Betrügereien, Lügen oder bewusst provozierte Grenzüberschreitungen: Alles folgt ihrer ganz eigenen Logik.

Als ihr das Geld ausgeht und sie einen Job in München annimmt, prallt sie schnell auf die Realität einer Stadt, in der ein normales Gehalt kaum zum Leben reicht. Die Begegnung mit drei Frauen, die sich ihren komfortablen Lebensstil mit eher fragwürdigen Methoden finanzieren, öffnet ihr eine neue Welt. Besonders spannend wird es, als Leonie selbst ein „Geschäftsmodell“ entwickelt: Sie bietet bezahlte Racheaktionen für Menschen mit frisch gebrochenem Herzen an – clever, kreativ und moralisch mindestens diskutabel.

Der Roman lebt von seinem Tonfall: pointiert, humorvoll und gleichzeitig gesellschaftskritisch. Julia Bähr schafft es, Kapitalismuskritik, Freundinnenschaft und die Frage nach persönlicher Verantwortung leichtfüßig und dennoch eindringlich zu erzählen. Leonies innere Zweifel – wie viel Geld man wirklich braucht und welches Risiko man dafür eingehen sollte – verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Ein Stern Abzug, weil mir manche Entwicklungen etwas zu glatt erschienen, doch insgesamt ist Hustle ein sehr lesenswerter, unterhaltsamer Roman mit Biss. Scharf beobachtet, klug erzählt und absolut zeitgemäß.