Spiegel vorhalten
Die Autorin kannte ich schon von ihren kreativen Videos auf Social Media als ehrlich, klar und mutig. Mutig, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, mutig, der Welt einen Spiegel vorzuhalten und mutig, Erwartungen, die dank des Patriarchats an Frauen gestellt werden, zu ignorieren. Auch, wenn es unheimlich viel Kraft kostet. Das Buch ist sehr kurzweilig, ich hab es in einem Stück gelesen und immer wieder zwischen wütendem Stirnrunzeln und Schmunzeln gewechselt. Der Schreibstil, schamlos und wie wenn man sich mit den engsten Freund:innen unbeobachtet fühlt, tut gut. Hier wird nichts dramatisiert, zur Schau gestellt, übertrieben - erschreckenderweise hält die Autorin wirklich, wie sie am Ende schreibt, einfach nur einen Spiegel vor. Ihre Erfahrungen und ihr Umgang mit ihnen machen Mut, dass es möglich ist, all die kleinen alltäglichen Unverschämtheiten und Grenzüberschreitungen sofort zu bemerken, selbst nicht kleinzureden und dann auch für sich einzustehen. Das Buch zeigt, wie weit entfernt von Gleichberechtigung wir als Gesellschaft noch sind, auch und insbesondere am Gartenzaun. Aber auch, dass es sich lohnt, die eigenen Grenzen abzustecken und zu vertreten.