Düster!
Eine Frau lebt zurückgezogen. Sie liest Bücher ein zweites, ein drittes Mal, bleibt an Vorworten hängen und wundert sich über die nachträglichen Rechtfertigungen der Autoren, als müsse jedes Werk sich selbst erklären.
Vielleicht, denkt sie, ist das Schreiben immer ein Versuch, sich Bedeutung zu sichern.
Sie ist einsam. Der Krebs arbeitet lautlos in ihrem Bauch. Die Zeit ist kein offenes Feld mehr, sondern ein enger Korridor.
Ihre Gedanken wandern zurück. Zu Menschen, die sie kannte. Zu Thea. Sie weint, überrascht von der Wucht des Schmerzes, der weniger aus dem Verlust kommt als aus einer Erkenntnis: dass auch sie geliebt hat.
Sie, die sich selbst stets für unempathisch hielt, für unberührbar. Diese Trauer führt zu einer Selbstentdeckung.
Also beschließt sie zu schreiben. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Dringlichkeit. Ihr Leben war von Bedeutung und lange wird es nicht mehr währen.
Ihre Erinnerungen beginnen mit Wut.
Mit der Pubertät setzt die Entwicklung ein, um abrupt zu stoppen. Die Blutung bleibt aus.
Sie fühlt sich betrogen, während andere sie beglückwünschen: Welch ein Glück sich dieses monatliche Übel zu ersparen. Noch kennt sie den Sinn der Blutung nicht, aber sie spürt den Verlust.
Die Wut entzündet sich an der Geringschätzung, die ihr entgegenschlägt, an der Erfahrung, dass ihr Körper kommentiert wird, ohne dass man ihr zuhört.
Wo zuhört? Sie befindet sich in einem Gefängnis.
Ein unterirdischer Raum, ein Käfig. Wachen patrouillieren. Darin sind, mit ihr vierzig Frauen eingesperrt.
Manchmal sprechen sie von der Liebe, vom siebten Himmel, sie selbst hat nicht einmal den ersten gesehen. Oder sie schimpfen auf Männer, auf deren Rohheit, deren Gewalt. Gespräche, die mehr Gerücht als Erfahrung sind.
Aus dem Wenigen, das sie aufschnappt, formt sie ihre Fantasien. Ein junger Wärter wird zum Mittelpunkt. Vielleicht, denkt sie, wären sie ein Liebespaar geworden.
Und dann geschieht etwas Unerwartetes: ein heißes, heftiges Gefühl, das sie selbst hervorrufen kann. Durch bloße Vorstellung. Durch innere Szenen, die immer komplexer werden, um einen unsichtbaren Zuhörer zufriedenzustellen, sich selbst.
Die anderen Frauen bemerken die Veränderung. Sie fragen, sie drängen. Sie behält ihr Geheimnis für sich. Macht ist hier gleich verteilt: Niemand hat Privilegien, niemand steht über der anderen. Die Hierarchie, die sich dennoch gebildet hat, ist wertlos. Sie verweigert sich und erntet Erstaunen.
Der lesende Blick fragt sich unweigerlich, warum diese Frau keine Welt außerhalb des Gefängnisses kennt und warum sie sie niemals kennenlernen wird.
Der Klappentext liefert nüchtern, fast grausam die Fakten: Vierzig Frauen werden in einem unterirdischen Gefängnis festgehalten. Ihr früheres Leben ist verblasst, selbst der Grund ihrer Gefangenschaft fast vergessen. Doch dann verändert sich etwas.
Was man liest, verstört. Ein dystopischer Druck baut sich auf, wie in einem Endzeitspiel, einer geheimen Operation, als erzählten hier die Vergessenen eines Krieges.
Nicht das Spektakel steht im Vordergrund, sondern die langsame Erosion von Erinnerung und Körper und der verzweifelte Versuch, sich durch Erzählen noch einmal zu vergewissern: Ich war da.
Vielleicht, denkt sie, ist das Schreiben immer ein Versuch, sich Bedeutung zu sichern.
Sie ist einsam. Der Krebs arbeitet lautlos in ihrem Bauch. Die Zeit ist kein offenes Feld mehr, sondern ein enger Korridor.
Ihre Gedanken wandern zurück. Zu Menschen, die sie kannte. Zu Thea. Sie weint, überrascht von der Wucht des Schmerzes, der weniger aus dem Verlust kommt als aus einer Erkenntnis: dass auch sie geliebt hat.
Sie, die sich selbst stets für unempathisch hielt, für unberührbar. Diese Trauer führt zu einer Selbstentdeckung.
Also beschließt sie zu schreiben. Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Dringlichkeit. Ihr Leben war von Bedeutung und lange wird es nicht mehr währen.
Ihre Erinnerungen beginnen mit Wut.
Mit der Pubertät setzt die Entwicklung ein, um abrupt zu stoppen. Die Blutung bleibt aus.
Sie fühlt sich betrogen, während andere sie beglückwünschen: Welch ein Glück sich dieses monatliche Übel zu ersparen. Noch kennt sie den Sinn der Blutung nicht, aber sie spürt den Verlust.
Die Wut entzündet sich an der Geringschätzung, die ihr entgegenschlägt, an der Erfahrung, dass ihr Körper kommentiert wird, ohne dass man ihr zuhört.
Wo zuhört? Sie befindet sich in einem Gefängnis.
Ein unterirdischer Raum, ein Käfig. Wachen patrouillieren. Darin sind, mit ihr vierzig Frauen eingesperrt.
Manchmal sprechen sie von der Liebe, vom siebten Himmel, sie selbst hat nicht einmal den ersten gesehen. Oder sie schimpfen auf Männer, auf deren Rohheit, deren Gewalt. Gespräche, die mehr Gerücht als Erfahrung sind.
Aus dem Wenigen, das sie aufschnappt, formt sie ihre Fantasien. Ein junger Wärter wird zum Mittelpunkt. Vielleicht, denkt sie, wären sie ein Liebespaar geworden.
Und dann geschieht etwas Unerwartetes: ein heißes, heftiges Gefühl, das sie selbst hervorrufen kann. Durch bloße Vorstellung. Durch innere Szenen, die immer komplexer werden, um einen unsichtbaren Zuhörer zufriedenzustellen, sich selbst.
Die anderen Frauen bemerken die Veränderung. Sie fragen, sie drängen. Sie behält ihr Geheimnis für sich. Macht ist hier gleich verteilt: Niemand hat Privilegien, niemand steht über der anderen. Die Hierarchie, die sich dennoch gebildet hat, ist wertlos. Sie verweigert sich und erntet Erstaunen.
Der lesende Blick fragt sich unweigerlich, warum diese Frau keine Welt außerhalb des Gefängnisses kennt und warum sie sie niemals kennenlernen wird.
Der Klappentext liefert nüchtern, fast grausam die Fakten: Vierzig Frauen werden in einem unterirdischen Gefängnis festgehalten. Ihr früheres Leben ist verblasst, selbst der Grund ihrer Gefangenschaft fast vergessen. Doch dann verändert sich etwas.
Was man liest, verstört. Ein dystopischer Druck baut sich auf, wie in einem Endzeitspiel, einer geheimen Operation, als erzählten hier die Vergessenen eines Krieges.
Nicht das Spektakel steht im Vordergrund, sondern die langsame Erosion von Erinnerung und Körper und der verzweifelte Versuch, sich durch Erzählen noch einmal zu vergewissern: Ich war da.