Ein Buch, das einen umhaut!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
rebecca.dh Avatar

Von

Die Leseprobe von "Ich, die ich Männer nicht kannte" hat mich sofort in eine eigentümliche, beklemmende Atmosphäre gezogen. Die Erzählerin spricht ruhig und sachlich über ein Leben in Gefangenschaft, über Verlust, Einsamkeit und das Fehlen von Wissen und gerade diese Nüchternheit hat mich beim Lesen besonders berührt. Statt dramatischer Zuspitzung entsteht eine leise, aber sehr eindringliche Spannung.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Perspektive der Erzählerin: Sie kennt die Welt nur aus dem Käfig heraus und entdeckt Gefühle, Erinnerungen und Begehren erst nach und nach. Das macht viele Passagen gleichzeitig naiv, ehrlich und erschreckend. Vor allem der Moment, in dem sie beginnt, ihre eigene Geschichte aufschreiben zu wollen, wirkt wie ein stiller Akt von Selbstbehauptung und gibt dem Text eine große emotionale Tiefe.

Die Dynamik zwischen den Frauen fand ich ebenfalls sehr interessant. Obwohl sie alle im selben Gefängnis sitzen, entstehen Machtverhältnisse, Geheimnisse und Ausschlüsse. Das wirkte auf mich sehr menschlich und realistisch und hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, wie Gemeinschaft unter extremen Bedingungen funktioniert und wo ihre Grenzen liegen.

Auch das Thema Fantasie als Rückzugsort und Überlebensstrategie bleibt nach der Lektüre bei mir hängen. Die Art, wie die Erzählerin sich durch Gedanken und innere Geschichten einen eigenen Raum schafft, ist zugleich traurig und tröstlich. Man spürt, wie wichtig das Innere wird, wenn äußere Freiheit vollständig fehlt.

Die Leseprobe hat bei mir vor allem eines erreicht: Ich möchte weiterlesen. Ich will verstehen, wie diese Frauen draußen zurechtkommen, wie sich die Erzählerin weiterentwickelt und welche Antworten, oder neuen Fragen, die Geschichte bereithält. Für mich wirkt der Roman ruhig, klug und nachhaltig, ein Text, der nicht laut sein muss, um lange nachzuwirken.