Gefangen im Dunkel – und doch voller Widerstand

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mrs.may.reads Avatar

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Schon nach den ersten Seiten wird klar: „Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist kein Buch, das erklärt… es lässt fühlen. Wer den Klappentext nicht kennt, muss sich zunächst über Raum und Zeit orientieren. Tut man es, liegt von Beginn an ein beklemmendes Gefühl über der Geschichte, das sich beim Lesen stetig verstärkt.

Die Atmosphäre ist kalt, fremd und dunkel. Eine Stimmung, die unter die Haut geht und lange nachhallt. Auch die Farben des Covers greifen genau dieses Gefühl auf – düster, reduziert, fast still. Die Frau im Schatten wirkt zugleich verletzlich und stark: aufrecht, ohne Angst, mit einer Haltung, die Widerstand andeutet. Der Kreis im Vordergrund fühlt sich an wie ein mögliches Licht am Ende eines sehr langen Tunnels.

Im Zentrum steht eine wissbegierige Protagonistin, die lernen, verstehen und wachsen will, doch ihre Mitgefangenen und Wärter lassen ihr keinen Raum dafür. Gerade diese Unterdrückung macht ihre innere Stärke umso greifbarer. Die Sprache ist flüssig, schnell und spannungsgeladen, mit einer starken Sogwirkung!

Besonders eindrucksvoll ist, wie intime Momente nicht schwächen, sondern stärken. Wissen wird zu Macht, Nähe zu Selbstbestimmung, selbst in einer Situation, die nahezu aussichtslos erscheint. In der kurzen Zeit, die man sie begleitet, wächst die Protagonistin über sich hinaus: Sie bewahrt ihre Geheimnisse, steht zu ihrer Meinung und lässt sich nicht kleinmachen.

Ein Buch, das verstört, Fragen aufwirft und bewusst im Unklaren lässt. Düster, intensiv, klar und genau deshalb so wirkungsvoll.