Kindliches Erstaunen - Naivität oder Feminismus?
Diese Leseprobe klingt, als würde jemand zum ersten Mal wirklich merken, dass er ein Inneres hat. Das Ich sitzt in einem Sessel, liest Bücher noch einmal, entdeckt Vorworte wie kleine Geheimkammern. Alles, was anderen selbstverständlich erscheint, wirkt hier rätselhaft: warum man sich entschuldigt, wenn man Wissen weitergibt, warum man übersetzt, obwohl man doch Sprachen lernen könnte, warum? Diese Fragen sind nicht klug-dozierend, sondern stammen aus echtem Staunen. Fast so, als würde ein Kind zum ersten Mal merken, dass es Regeln gibt, die alle kennen, nur es selbst nicht.
Und dann kippt das Staunen in etwas, das wehtut. Plötzlich sind da Tränen, ohne dass die Leser*innen vorgewarnt werden. Thea taucht auf, nicht als große Figur, sondern in einem winzigen, genauen Bild: auf der Matratze sitzend, mit einem Faden aus Haaren, der ständig reißt. Das ist so schlicht, dass es einem noch länger nachgeht. Das Erzählen bleibt dabei erstaunlich nüchtern. Gerade weil der Text nicht laut wird, trifft er. Wenn die Erzählerin sagt, sie habe noch nie geweint, dann ist das eine deutliche Aussage, aber wirkt trotzdem so, als hätte sie lange gar nicht gewusst, dass so etwas möglich ist.
Überhaupt ist das Kindliche hier kein Tonfall. Da ist jemand, der Begriffe nicht kennt und deshallb Gemütszustände nicht benennen kann, der die Welt wie ein Regelwerk betrachtet, das ihm vorenthalten wurde. Fragen werden abgewürgt. Das Wissen wird zurückgehalten. Sogar der eigene Körper wird zum Streitfall. Daraus entsteht erst Wut, dann Scham und am Ende eine Art trotziges Denken. Das hat etwas Bitteres, aber es bleibt klar erzählt, fast sachlich, als würde die Erzählerin mit dem Finger auf Dinge zeigen und sagen: so war das.
Am Ende bleibt ein Leseeindruck, der sich anfühlt wie ein stiller Schock: eine Stimme, die aus Enge und Unwissenheit kommt und gerade deshalb so ernst zu nehmen ist, weil sie nichts schmückt. Ich möchte weiter lesen, um zu sehen, wie dieses Denken wächst, wie aus Fragen vielleicht einmal Antworten werden.
Und dann kippt das Staunen in etwas, das wehtut. Plötzlich sind da Tränen, ohne dass die Leser*innen vorgewarnt werden. Thea taucht auf, nicht als große Figur, sondern in einem winzigen, genauen Bild: auf der Matratze sitzend, mit einem Faden aus Haaren, der ständig reißt. Das ist so schlicht, dass es einem noch länger nachgeht. Das Erzählen bleibt dabei erstaunlich nüchtern. Gerade weil der Text nicht laut wird, trifft er. Wenn die Erzählerin sagt, sie habe noch nie geweint, dann ist das eine deutliche Aussage, aber wirkt trotzdem so, als hätte sie lange gar nicht gewusst, dass so etwas möglich ist.
Überhaupt ist das Kindliche hier kein Tonfall. Da ist jemand, der Begriffe nicht kennt und deshallb Gemütszustände nicht benennen kann, der die Welt wie ein Regelwerk betrachtet, das ihm vorenthalten wurde. Fragen werden abgewürgt. Das Wissen wird zurückgehalten. Sogar der eigene Körper wird zum Streitfall. Daraus entsteht erst Wut, dann Scham und am Ende eine Art trotziges Denken. Das hat etwas Bitteres, aber es bleibt klar erzählt, fast sachlich, als würde die Erzählerin mit dem Finger auf Dinge zeigen und sagen: so war das.
Am Ende bleibt ein Leseeindruck, der sich anfühlt wie ein stiller Schock: eine Stimme, die aus Enge und Unwissenheit kommt und gerade deshalb so ernst zu nehmen ist, weil sie nichts schmückt. Ich möchte weiter lesen, um zu sehen, wie dieses Denken wächst, wie aus Fragen vielleicht einmal Antworten werden.