Macht-Hierarchie-Illusion und Körperlichkeit-Sexualität

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kalliope1959 Avatar

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Dieses Buch von Jacqueline Harpman bringt mich zu einem eindringlichen Nachdenken. Harpman, selbst Psychologin und geprägt von ihrer Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus, wirft Fragen auf: Wie hat sie die Themen Macht, Hierarchie, Illusion sowie Körperlichkeit und Sexualität selbst erlebt? Welche biografischen und historischen Hintergründe spiegeln sich in dieser auf beunruhigende Weise entsetzlichen Welt wider, die als Metapher zwar fern scheint, aber doch bis heute existiert?

Es ist eine Welt, die in den Köpfen von Frauen – und vielleicht auch von Männern – weiterhin präsent ist.

Der Text ist präzise, kühl und sachlich, dabei von großer Intensität. Mitunter wirkt er etwas zu lang, doch gerade diese Ruhe schlägt immer wieder in Radikalität um und wird dadurch umso berührender. Es ist ein Text, der lange nachwirkt.

Im Kern ist es ein Buch über die inneren Vorgänge des Menschen. Besonders verstörend für mich ist die Weigerung der Frauen, ihr Wissen weiterzugeben – eine Dynamik, die sich auch heute noch beobachten lässt, etwa im Verhältnis von Müttern und Töchtern. Hinzu kommt das System, das die Frauen in Gefangenschaft hält. Was bedeutet in diesem Kontext Wissen? Wo liegt wirkliche Macht – und wo entlarvt sie sich als bloße Illusion? Ich bin sehr gespannt, ob es hier eine „Auflösung“ geben wird, ein sogenanntes „gutes Ende“, oder ob diese Geschichte eben eine Klarheit des Denkens und des Menschseins darlegt – alleine mit Erkenntnis.

Zum Cover: Es erinnert mich an die Statue von Sissi, die das Gesicht mit einem Fächer verbirgt (im Lainzer Tiergarten in Wien) - Hier wird ein Teil des Gesichts durch eine helle Scheibe abgedeckt - Es ist eben Ausdruck für ein Buch, das von Erkenntnis und existenziellen Fragen handelt.