Tausend mal auf englisch in der Hand gehabt, endlich reingelesen

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frau.meln Avatar

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Ich weiß gar nicht, was ich da gelesen habe.
Einerseits wirkt es so ruhig und abgeklärt und andererseits wie ein Fiebertraum.
Schon mehrfach griff ich in der Buchhandlung nach der englischen Ausgabe dieses Werkes. War dann doch immer unsicher beim Klappentext.

Als ich es bei Vorablesen sah, musste ich endlich reinlesen (und auch direkt die Autorin googlen).

Als vor den Nationalsozialisten geflüchtete, kann ich mir gut vorstellen, dass sie Gefühle, Gedanken und die Beraubung von Freiheit in ihrem Roman verarbeitet. Es klingt wie eine Anlehnung einer Erzählungen aus dem Frauegefängnis Hoheneck. Die Autorin schafft es mir ohne detaillierte Beschreibungen tiefe Bilder vor mein inneres Auge zu zeichnen.

Ich finde es großartig, wie viele Fragen and das ich sie sich stellt. Die erinnern mit an Phasen in denen mein innerer Overthinker stark ist. Gleichzeitig verändert sich durch das denken und erfinden von Geschichten ihr Blick auf ihre erzwungenen zwischenmenschliche Beziehungen und sie nimmt wahr, dass niemand über sie und ihre Gedanken verfügen kann, weil es kein Druckmittel gibt. Etwas, was man im Alltag oft vergisst: wir treffen unsere eigenen Entscheidungen.

Noch keine 20 Seiten gelesen und schon so viele Gedanken. Wie ist sie dort gelandet? Und die anderen Frauen? Wie kann das vermeintlich niemand wissen? Ist es ein Gefängnis - lässt die Wache vermuten? Machen sie irgendwas mehr, als dort herumsitzen? Zu welcher Zeit spielt es?
Nachdem ich das Buch auch schon so oft angefasst habe, glaube ich fast, es wollte mich finden. Spannender Auftakt. Ich würd am liebsten direkt weiterlesen.