Die vierzigste Gefangene kannte die Männer nicht
Sie waren eingesperrt, ohne zu wissen, warum. 39 Frauen, die sich nicht oder nur sehr vage an das Davor erinnern können. Und da ist „die Kleine“, die vierzigste Gefangene, die von klein auf hier war, die für sie alle als so etwas wie ein Zeitmesser fungiert. Jede hat ihren eigenen Käfig, den Tagesrhythmus bestimmen die Wärter, unter deren permanenter Aufsicht sie sind. Sie kommen immer zu dritt außer bei der Ablöse, da sind sie zu sechst - sie sprechen nie. Nicht mit ihnen und nicht miteinander. Eines Tages ertönt ein Alarm, die Wachen verschwinden, in der Tür steckt der Schlüssel. Die Frauen sind frei – aber sind sie das wirklich?
Aus Sicht der Kleinen schrieb die Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Jacqueline Harpman diesen erstmals 1995 erschienenen Roman. Sie nimmt ihre Leser mit eine dystopische Welt, geprägt von allumfassender Überwachung, einhergehend mit dem Verlust von Freiheit und jeglicher Individualität.
Auch wenn gefühlt nicht viel passiert, passiert doch eine ganze Menge. Nun, da sie draußen sind, sind sie auf sich gestellt. Ihr ganzes Leben hatten sie sich danach gesehnt und jetzt scheinen sie überfordert zu sein mit dem Überleben, mit dem Weiterleben, das sie von nun an selbst in der Hand haben. Die einzelnen Persönlichkeiten kristallisieren sich heraus, es geht um das Miteinander, um das Frau-sein in all seinen Facetten, um das Alter, um Krankheit und den Tod, der unweigerlich zum Leben gehört. Von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit lese ich, die Atmosphäre ist eher beklemmend. Es ist eine sonderbare Welt, in der sie lebten und auch jetzt leben, nachdem sie den unterirdischen Bunker verlassen konnten.
Trotz der düsteren Grundstimmung hat dieser Roman eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die Ich-Erzählerin kennt nichts außer Gefangenschaft, in der es galt, Regeln einzuhalten, in der keine Fragen gestellt werden durften, in der Berührungen verboten waren. Kann man sich davon befreien? Eine spannende Frage, ein fesselnder Roman, der sehr nachdenklich stimmt.
Aus Sicht der Kleinen schrieb die Psychoanalytikerin und Schriftstellerin Jacqueline Harpman diesen erstmals 1995 erschienenen Roman. Sie nimmt ihre Leser mit eine dystopische Welt, geprägt von allumfassender Überwachung, einhergehend mit dem Verlust von Freiheit und jeglicher Individualität.
Auch wenn gefühlt nicht viel passiert, passiert doch eine ganze Menge. Nun, da sie draußen sind, sind sie auf sich gestellt. Ihr ganzes Leben hatten sie sich danach gesehnt und jetzt scheinen sie überfordert zu sein mit dem Überleben, mit dem Weiterleben, das sie von nun an selbst in der Hand haben. Die einzelnen Persönlichkeiten kristallisieren sich heraus, es geht um das Miteinander, um das Frau-sein in all seinen Facetten, um das Alter, um Krankheit und den Tod, der unweigerlich zum Leben gehört. Von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit lese ich, die Atmosphäre ist eher beklemmend. Es ist eine sonderbare Welt, in der sie lebten und auch jetzt leben, nachdem sie den unterirdischen Bunker verlassen konnten.
Trotz der düsteren Grundstimmung hat dieser Roman eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann. Die Ich-Erzählerin kennt nichts außer Gefangenschaft, in der es galt, Regeln einzuhalten, in der keine Fragen gestellt werden durften, in der Berührungen verboten waren. Kann man sich davon befreien? Eine spannende Frage, ein fesselnder Roman, der sehr nachdenklich stimmt.