Eine Welt voller Rätsel und Fragen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
smolsin Avatar

Von

Der in Frankreich bereits 1995 erstmals veröffentlichte Roman „Ich, die ich Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman gehört mittlerweile zu den modernen Klassikern und gilt als wichtiges Werk der feministischen Literatur.

Die namenlose Hauptfigur ist zusammen mit 39 weiteren Frauen in einem Käfig unter der Erde eingesperrt. Kontakt zur Außenwelt besteht keiner und die einzigen anderen Menschen, die sie zu Gesicht bekommen sind einige Wachmänner, die aufpassen, dass die Frauen keinen Fluchtversuch unternehmen, sich etwas antun oder Körperkontakt miteinander aufnehmen.
Eines Tages passiert etwas völlig Unerwartetes, woraufhin die Männer fliehen. Nach einer Art Schockstarre trauen sich die Frauen irgendwann aus ihrem Käfig, doch die Welt da draußen ist gänzlich anders als sie erwartetet hatten. In der Hoffnung Zivilisation oder sonst irgendetwas zu finden, ziehen sie fortan ziellos umher.

Anfangs noch recht gefesselt von der sonderbaren Ausgangssituation und den Fragen und Gedanken, mit denen sich die Hauptfigur befasst, verlor ich leider recht schnell das Interesse an der Geschichte. Die Handlung wurde nach Befreiung der Frauen aus dem Käfig repetitiv und Spannungskurven gab es bis zum Schluss keine mehr.
Die Gedanken und Gefühle der Protagonistin sind realistisch und nachvollziehbar und werfen viele spannende Fragen und Gedanken auf. Die anderen Frauen hingegen wirkten für mein Empfinden gleichermaßen eindimensional, als auch authentisch. Sie definierten sich zum Großteil durch ihre Beziehungen (zu Männern), welche sie vor der Gefangenschaft führten. Was ist der Mensch ohne ihn prägende Gesellschaft, Geschlechterrollen oder Kultur?
Letztlich bleibt man als Leser:in mit mehr Fragen als Antworten zurück.

Für mich wird der Roman dem Hype leider nicht gerecht. Ich sehe hier wenig bis keinen feministischen Ansatz und hätte mir mehr Antworten gewünscht.