Fesselnd und ergreifend

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duckyputz Avatar

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Die Geschichte spielt in einem beengten Kellerverlies, in dem vierzig Frauen von Wärtern bewacht werden. Eine von ihnen ist noch ein Kind und kennt kein Leben außerhalb der Zelle. Erinnerungen an die Zeit vor der Gefangenschaft sind bruchstückhaft und kaum jemand spricht darüber. Erst als ein Ereignis den monotonen Alltag unterbricht, verändert sich die Situation grundlegend, und die Frauen gelangen hinaus – doch die Welt, die sie dort erwartet, ist nicht die, an die sie sich vage erinnern.
Die Erzählung dieser Dystopie konzentriert sich weitgehend auf die jüngste Gefangene. Ihre Perspektive ist kindlich, teils naiv, aber zugleich aufmerksam und neugierig. Gerade dadurch entstehen interessante Beobachtungen, wobei der Text manchmal einen fast experimentellen Unterton erhält. Die Atmosphäre wirkt bedrückend, manchmal beklemmend, doch das dient spürbar der Darstellung des eingeschränkten Lebensraums.
Stilistisch ist das Buch klar und flüssig erzählt. Dennoch bleiben Figuren und Handlung stellenweise distanziert. Obwohl das psychologische Potenzial der Konstellation groß ist, werden innere Konflikte nur angedeutet. Einige Szenen bleiben skizzenhaft, was die emotionale Wirkung abschwächt. Trotz dieser Einschränkungen hat der Roman eine eigene Sogwirkung und bleibt über weite Strecken spannend. Insgesamt eine solide Dystopie mit originellem Ansatz, aber nicht durchgängig überzeugender Ausarbeitung.