Fesselnde Dystopie, die mich nicht mehr losgelassen hat

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
luisabella Avatar

Von

»Mein Herz war kalt und taub, und ich hatte nicht einmal gemerkt, wie verzweifelt ich war.« (8) 💔

»ICH, DIE ICH MÄNNER NICHT KANNTE« ist ein dystopischer Roman von der Autorin Jacqueline Harpman (1929–2012), der 1995 erstmalig auf französisch erschien und jetzt in einer neuen Übersetzung von Luca Homburg auf Deutsch herausgekommen ist.

39 Frauen und ein Mädchen sind in einem Gefängnis in einem Keller eingesperrt. Sie dürfen sich nicht berühren und leben unter künstlichem Licht. Statt mit ihnen zu reden, lassen die Gefängniswärter bei Verstößen gegen unbekannte Regeln die Peitsche knallen.

»Wenn du etwas Verbotenes tust, ist es die Handlung, die ins Visier gerät. Wenn du etwas tust, was nicht verboten ist, und jemand greift ein, dann sind sie nicht auf die Handlung aufmerksam geworden, sondern auf dich selbst.« (48) 💥

Sie leben dort unten abgeschottet und fern von ihren bisherigen Leben und Familien. Aber für das Mädchen ›Die Kleine‹ gibt es kein Vorher, kein Erinnern an ein anderes Leben. Sie kennt nur diese Einöde, diese Sinnlosigkeit und dieses Leben. Was macht unser Leben aus? Was macht es lebenswert / menschlich / hoffnungsvoll? …

Dieser existentielle, feministische Roman wird aktuell auf Social Media gehyped. 💥 Is it worth the hype? If you ask me: YES! Der Roman hat eine krasse Sogwirkung, und schafft es mit leisen Tönen anhand dieser ruhigen, dunklen, unerklärten Dystopie ganz universelle Fragen zu stellen und aufzuwerfen und damit lange im Kopf zu bleiben. 🥵 Es ist kein easy-peasy / comfy Read, aber wer Bock auf genau so etwas hat, wird nicht enttäuscht werden. 🖤

»Aber wenn doch jemand diese Seiten lesen wird, dann werde ich für eine gewisse Zeit in seinem Kopf existieren. Er wird meine Gedanken in sich tragen, und so werden wir beide zu etwas Lebendigem verschmelzen, das weder ich sein werde, weil ich dann tot bin, noch er, wie er vorher war, denn meine Geschichte wird von da an Teil seines Denkens sein.« (210f) 💭