Hallt lange nach!
Das Cover von Ich, die ich Männer nicht kannte wirkt karg und beklemmend und spiegelt damit perfekt die Atmosphäre des Romans wider. Jacqueline Harpman schreibt in einem klaren, fast nüchternen Stil, der die existenzielle Verunsicherung der Erzählerin – der geheimnisvollen vierzigsten Gefangenen – noch verstärkt. Gerade diese sprachliche Schlichtheit macht die Geschichte eindringlich, weil sie Raum für eigene Gedanken lässt. Die Handlung entfaltet sich ruhig statt spannungsgeladen und lebt mehr von Reflexion als von Ereignissen. Das passt zur Thematik von Identität, Erinnerung und Menschlichkeit, kann stellenweise aber auch distanziert wirken. Insgesamt ein stiller, kluger Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre beeindruckt. Er halt nach und regt noch lange zum Nachdenken über Freiheit, Identität und Menschsein an.