Irritierend

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Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Welt aussehen kann, die man gar nicht kennt. Die Figuren im Buch sind ausschließlich Frauen, gefangen in einem Käfig, abgeschottet von der Welt draußen. In Mitten von ihnen eine junge Frau, die über keine Erinnerungen verfügt und ihr Denken auf die Möglichkeit eines unbekannten „Außen“ richtet.

Obwohl der Roman häufig als philosophisch und feministisch rezipiert wird, bleibt er hinter diesen Ansprüchen zurück. Zwar werden zentrale Fragen der Existenzphilosophie, nach Sinn, Identität und Menschsein ohne gesellschaftliche Einbindung, aufgegriffen, jedoch meist ohne größere analytische Tiefe.

Über weite Strecken begleitet der Text die Gedankenbewegungen der Protagonistin, die sich mit grundlegenden existenziellen Fragen auseinandersetzt. Dabei entsteht jedoch ein sich wiederholender Erzählrhythmus, der auf eine weitgehend fehlende äußere Handlung zurückzuführen ist. Die Monotonie des dargestellten Alltags führt zu einem als träge empfundenen Leseeindruck, da eine Entwicklung und dramatische Zuspitzung weitgehend ausbleiben.

Philosophische Fragen, wie Wer sind wir, ohne eine Gesellschaft? Welchen Sinn hat das Leben, ohne konkrete Ziele? Wer bin ich, wenn ich keine Erinnerungen habe?, werden zwar aufgegriffen, doch gelingt es dem Roman nur bedingt, diese Fragestellungen in analytischer Tiefe zu entfalten. Insbesondere bleibt eine systematische Durchdringung der aufgeworfenen Probleme aus.

Allem voran bleibt die Frage nach dem Wie. Wie sind die Frauen in diese Situation geraten? Wie kann man alleine überlegen? Wie sieht das Leben aus, wenn einem nur die Zeit bleibt?

Insgesamt lässt sich der Text als literarisches Gedankenexperiment einordnen, das grundlegende anthropologische und existenzphilosophische Fragen beleuchtet. Gleichzeitig bleibt die Darstellung stark auf die Ebene des Gedanklichen beschränkt und entfaltet nur begrenzt eine Tiefe. Ob das Werk tatsächlich feministisch ist, soll der Lesende selbst beurteilen.