Mehr Endzeit als Emanzipation
Verstörend. Beklemmend. Und ganz sicher nicht das feministische Werk, als das es aktuell vermarktet wird.
"Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman wird derzeit unter dem Label feministische Literatur präsentiert. Genau dieses Marketing halte ich für fragwürdig. Frauen, die patriarchalen Strukturen nachzutrauern scheinen, kaum Eigeninitiative entwickeln und selten so etwas wie Lebensfreude entfalten, mit dem Begriff Feminismus zu verbinden, empfinde ich als problematisches Narrativ. Es ist kein positiver Spiegel für das aktuelle Weltgeschehen und keine kraftvolle Fortschreibung feministischer Diskurse.
Vierzig Frauen leben eingesperrt in einer Zelle. Viele hängen gedanklich der alten Welt und den Männern nach. Sie wirken nicht wie Figuren, die sich aus alten Mustern befreien, sondern wie aus ihnen herausgerissen und orientierungslos zurückgelassen. Gelernt wird das Überleben. Nicht das Leben.
Ich bin mit starken weiblichen Figuren wie in Buffy the Vampire Slayer oder Charmed aufgewachsen. Kämpferinnen, die trotz Dunkelheit Hoffnung verkörpern. Andere Genres, ja. Allerdings auch aus den 90ern wie dieses Werk. Diese hoffnungsvolle Energie fehlt hier fast vollständig. Die einzige Figur mit erkennbarem Erkenntnisdrang ist die namenlose Erzählerin, die Kleine. Sie kennt keine Männer, stellt Fragen, sucht Sinn und findet vor allem Leere.
Als philosophischer Endzeitroman entfaltet das Buch hingegen eine enorme Wucht. Es geht weniger um Geschlechter als um Identität. Weniger um Befreiung als um Existenz. Was bleibt vom Menschen ohne Kultur, ohne Geschichte, ohne Verbindung? Welche Bedeutung haben Identität, Fantasie und Gefühl, wenn es keine Gesellschaft mehr gibt, die sie spiegelt?
Wir begleiten eine Frau von der Jugend bis ins hohe Alter. Der titelgebende Satz fällt im Text. Am Ende drängte sich mir jedoch ein anderer Gedanke auf: „Ich, die ich mich nicht kannte.“
Äußerlich passiert wenig. Innerlich passiert alles. Der Roman ist dicht, schwer und frei von Trost. Selbst ruhige Passagen tragen einen dunklen Schatten. Ich musste das Buch mehrfach zur Seite legen, weil es keine Atempause zulässt.
Hinzu kommen logische Brüche, die entweder bewusst gesetzte Leerstellen sind oder erzählerische Schwächen. Wie ein schwarzes Loch, das Leser*innen komplett einsaugt und ähnlich wie die Protagonistin taumelnd und fragend zurück lässt.
Mein Fazit:
Als philosophisches Gedankenexperiment stark. Dafür hätte ich 4-5 Sterne vergeben.
Als feministische Lektüre sehr fragwürdig. 1-2 Sterne. Gerade weil das aktuelle Marketing Erwartungen weckt, die der Text nicht einlöst, vergebe ich 3 Sterne.
Ein Roman, der Diskussionen auslösen wird. Aber keiner, den ich bedenkenlos empfehle. Wer Hoffnung sucht, wird sie hier kaum finden. Wer sich auf existenzielle Leere einlassen möchte, wird lange darüber nachdenken.
"Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman wird derzeit unter dem Label feministische Literatur präsentiert. Genau dieses Marketing halte ich für fragwürdig. Frauen, die patriarchalen Strukturen nachzutrauern scheinen, kaum Eigeninitiative entwickeln und selten so etwas wie Lebensfreude entfalten, mit dem Begriff Feminismus zu verbinden, empfinde ich als problematisches Narrativ. Es ist kein positiver Spiegel für das aktuelle Weltgeschehen und keine kraftvolle Fortschreibung feministischer Diskurse.
Vierzig Frauen leben eingesperrt in einer Zelle. Viele hängen gedanklich der alten Welt und den Männern nach. Sie wirken nicht wie Figuren, die sich aus alten Mustern befreien, sondern wie aus ihnen herausgerissen und orientierungslos zurückgelassen. Gelernt wird das Überleben. Nicht das Leben.
Ich bin mit starken weiblichen Figuren wie in Buffy the Vampire Slayer oder Charmed aufgewachsen. Kämpferinnen, die trotz Dunkelheit Hoffnung verkörpern. Andere Genres, ja. Allerdings auch aus den 90ern wie dieses Werk. Diese hoffnungsvolle Energie fehlt hier fast vollständig. Die einzige Figur mit erkennbarem Erkenntnisdrang ist die namenlose Erzählerin, die Kleine. Sie kennt keine Männer, stellt Fragen, sucht Sinn und findet vor allem Leere.
Als philosophischer Endzeitroman entfaltet das Buch hingegen eine enorme Wucht. Es geht weniger um Geschlechter als um Identität. Weniger um Befreiung als um Existenz. Was bleibt vom Menschen ohne Kultur, ohne Geschichte, ohne Verbindung? Welche Bedeutung haben Identität, Fantasie und Gefühl, wenn es keine Gesellschaft mehr gibt, die sie spiegelt?
Wir begleiten eine Frau von der Jugend bis ins hohe Alter. Der titelgebende Satz fällt im Text. Am Ende drängte sich mir jedoch ein anderer Gedanke auf: „Ich, die ich mich nicht kannte.“
Äußerlich passiert wenig. Innerlich passiert alles. Der Roman ist dicht, schwer und frei von Trost. Selbst ruhige Passagen tragen einen dunklen Schatten. Ich musste das Buch mehrfach zur Seite legen, weil es keine Atempause zulässt.
Hinzu kommen logische Brüche, die entweder bewusst gesetzte Leerstellen sind oder erzählerische Schwächen. Wie ein schwarzes Loch, das Leser*innen komplett einsaugt und ähnlich wie die Protagonistin taumelnd und fragend zurück lässt.
Mein Fazit:
Als philosophisches Gedankenexperiment stark. Dafür hätte ich 4-5 Sterne vergeben.
Als feministische Lektüre sehr fragwürdig. 1-2 Sterne. Gerade weil das aktuelle Marketing Erwartungen weckt, die der Text nicht einlöst, vergebe ich 3 Sterne.
Ein Roman, der Diskussionen auslösen wird. Aber keiner, den ich bedenkenlos empfehle. Wer Hoffnung sucht, wird sie hier kaum finden. Wer sich auf existenzielle Leere einlassen möchte, wird lange darüber nachdenken.