nachhaltig faszinierende Lektüre

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zv3nn1 Avatar

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Der Klappentext verrät gefühlt… nichts. Und ehrlich gesagt kann man über dieses Buch auch kaum sprechen, ohne irgendwas vorwegzunehmen. Deshalb ganz spoilerfrei: Wenn du ein Buch suchst, das dich noch Wochen später beschäftigt, über das man in einer Lesegruppe komplett abschweifen, diskutieren und Theorien spinnen kann, dann lies das hier.

___________ACHTUNG SPOILER________________________________

Die großen Fragen stehen schnell im Raum:
Warum sind diese Frauen eingesperrt? Wo sind sie überhaupt? Was ist passiert?
Und es gibt keine einfachen Antworten. Eigentlich gibt es immer nur noch mehr Fragen.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass das alles fast zweitrangig ist. Klar ist das Setting rätselhaft und irgendwie verstörend, aber im Kern geht es um viel Größeres: Was bedeutet es, Mensch zu sein? Was passiert mit Menschlichkeit in Isolation? Was bleibt von „Gesellschaft“, wenn die Gesellschaft weg ist?

Ein Gedanke lässt mich seitdem nicht los, dieses Gärtnerhandbuch. Ich habe dazu so eine Theorie: Für mich fühlt sich das an wie eine Welt ohne natürliche Befruchtung. Männliches und weibliches Prinzip existieren zwar noch, aber strikt voneinander getrennt. Alles ist ordentlich angelegt wie Beete in einem Garten, sauber strukturiert, überwacht, versorgt. Es gibt genug Essen, genug Kontrolle, genug Gärtner, die alles im Blick behalten. Aber wenn nichts mehr zueinander finden darf, wenn keine Kreuzbestäubung mehr möglich ist, dann verwalten diese Wächter am Ende nur noch das Aussterben.

Und genau dieses Bild, dieses sich wiederholende Muster, fühlt sich an wie das Herz des Buches: eine Welt, die so sehr auf Ordnung setzt, dass sie das Überleben selbst verhindert.

Am Ende hatte ich nicht das Gefühl, frustriert zu sein, weil nicht alles erklärt wird. Eher im Gegenteil. Ich saß da und wollte weiterdenken. Weiterfragen. Weiterdiskutieren. Und ich glaube, genau das ist die Stärke dieses Buches.

Still, seltsam, philosophisch und irgendwie unmöglich, es wieder ganz loszulassen.