Sinnfrage mal anders

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ruebezahl Avatar

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Jacqueline Harpmans „Ich, die ich Männer nicht kannte“ hat mich nachhaltig beeindruckt. Was als beklemmendes Kammerspiel in einem unterirdischen Käfig beginnt, entwickelt sich nach dem plötzlichen Verschwinden der Wärter zu einer ebenso interessanten wie spannungsgeladenen Odyssee.
Besonders faszinierend fand ich die Perspektive der jungen Erzählerin: Da sie keine Erinnerung an unsere Welt hat, blickt sie mit einer entwaffnenden, fast klinischen Neugier auf die Natur und das menschliche Miteinander. Harpman verzichtet auf Effekthascherei und erzeugt stattdessen eine subtile, existenzielle Spannung: Werden sie jemanden finden? Was bedeutet Menschsein ohne gesellschaftliches Erbe? Ein tiefgründiger Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite durchwegs gefesselt hat. Ein Buch, das einen auch zum Nachdenken anregt.