still, verstörend und sehr philosophisch

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silke1974 Avatar

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Für mich ist "Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman eine existenzialistische Parabel.
Die Geschichte beginnt mit einer Gruppe von Frauen, die ohne Erklärung gefangen gehalten werden, erzählt aus der Perspektive einer jüngeren, namenlosen Erzählerin, die keine eigene Vergangenheit kennt. Sie wirkt fast wie ein Beobachter-Bewusstsein.
Als sich ihre Situation verändert und sie Freiheit erlangen, wird schnell deutlich, dass Freiheit allein nicht ausreicht.
Der Roman stellt immer wieder die Frage, was ein Leben eigentlich sinnvoll macht. Technik, Nahrung, Sicherheit und sogar Freiheit können das Überleben sichern – aber sie ersetzen keine Beziehung.
Zeit spielt dabei eine zentrale Rolle: Wenn sie nicht mehr auf etwas zuläuft und keine neue Generation mehr folgt, verliert selbst auch das Leben selbst seine Richtung.
Menschsein entsteht nicht im isolierten Überleben, sondern im Miteinander, in Erinnerung und in der Weitergabe an andere.