Unglaublich bedrückend, aber sehr gut geschrieben

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gagiju Avatar

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Ich war neugierig wegen der Anspielung zum "Report der Magd", welches ich großartig fand.

Die Autorin Jacqueline Harpman kannte ich bisher nicht, aber ich glaube, ich werde auch kein weiteres Buch von ihr lesen. Nicht weil es schlecht geschrieben wäre, im Gegenteil, sondern weil ich die Geschichte so unglaublich bedrückend fand. Ich habe seit Jahren nichts Deprimierenderes mehr gelesen.

In ihrem Buch haben sich mir die Hintergründe und Zusammenhänge der Geschehnisse bis zum Ende nicht erschlossen.

Es gab ältere und jüngere Frauen, die in einem Käfig eingesperrt waren und von Wärtern bewacht wurden, gehalten wie Tiere, quasi nur am Leben gehalten unter mehr als unwürdigen Umständen. Der Ich-Erzählerin fehlt jede Erfahrung des "richtigen" Lebens, sie traute aber auch den Berichten der anderen nicht wirklich und flüchtete sich teilweise in - erotische - Fantasien. Irgendwann war das Gitter offen, die Wärter waren weg, und die Frauen begaben sich auf eine Reise, um ihre Umgebung zu erforschen, nach anderen Menschen und Überlebensmöglichkeiten zu suchen.

Es war unendlich traurig, die Frauen in ihrer Hoffnungslosigkeit zu begleiten, sie immer wieder auf Tote und verlassene Lager treffen zu lassen. Weiter möchte ich nicht erzählen, das würde spoilern.

Sprachlich finde ich das Ganze hervorragend umgesetzt, flüssig und spannend formuliert. Ich hatte auch das "Glück", das Hörbuch zu bekommen, und war mehr als angetan von der Sprecherin. Sie ist für mich absolut glaubwürdig und bringt die Emotionen bzw. Nicht-Emotionen hervorragend rüber.

Es fällt mir schwer, mich auf eine Punktzahl festzulegen. Sprachlich würde ich fünf Punkte vergeben, inhaltlich höchstens einen oder zwei.