Was die Menschheit ausmacht
„Vielleicht erstrahlt die Menschheit irgendwo im Licht der Sterne, ohne zu wissen, dass eine Ihresgleichen in der Stille ihrem Ende entgegengeht.“
40 Frauen werden in einem Keller jenseits der Zivilisation gefangen gehalten. Die Frauen erhalten Essen, leben jedoch unter erniedrigenden Bedingungen und werden von männlichen Wärtern bewacht. Unsere namenlose Protagonistin ist die einzige, die bereits als Mädchen in diese Gefangenschaft geraten ist, während alle andere Frauen das Leben in der herkömmlichen Gesellschaft und auch das Zusammenleben mit den Männern kennen und vermissen. Bis sich eines Tages eine Möglichkeit der Flucht aufmacht…
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ ist ein unfassbar besonderer, spannenden, mitreißender Roman, der in knapp 200 Seiten eine eigene, sehr dystopische Welt erschafft. Das Erzähltempo ist sehr schnell, dennoch sind die Charaktere und das Setting wunderbar greifbar. Während man die Seiten verschlingt, weicht jedoch schnell die Hoffnung auf eine vollständige Klärung der Gegebenheiten der etablierten Welt. Es wird so viel aufgemacht, das uns als Leser fesselt, worauf wir jedoch keine Antwort erhalten. Dies ist kein klassischer „Feministischer“ Roman, der das Patriarchat anprangert, - wir begleiten viel mehr anhand dieser Frauengemeinschaft, was es heißt, ein Mensch zu sein: es geht um das Streben nach Wissen, Sinnhaftigkeit des Lebens, sowie um die Wichtigkeit menschliche Erfahrungen und Emotionen, die wir ausschließlich im Zusammenleben in der Gesellschaft erlangen. Gleichzeitig finden sich auch Anklänge nihilistisches Gedankenguts (Was bringt uns Wissen, wenn wir selbst nichts an unserer Realität ändern können? Was hat schon eine Bedeutung?“. Es geht um die eventuelle Zufälligkeit unserer Lebensrealität. Wir bleiben zurück mit einem Gefühl der Leere, einer Nachdenklichkeit, und stellen uns als Mensch, Gemeinschaft und unser Weltbild in Frage. Ein aufrüttelnder Roman, nachdem viel Redebedarf bleibt!