Was für eine Dystopie mit vielen offen gebliebenen Fragen!
Dieser kafkaeske Roman, bereits 1995 veröffentlicht, reflektiert die Essenz unseres Lebens – hier aus der Sicht der Ich-Erzählerin, die bereits als elternloses Mädchen in einem unterirdischen Keller zusammen mit 39 Frauen eingesperrt ist. Als einziger noch lebender Mensch auf diesem Planeten ohne Jahreszeiten, ohne die den Erwachsenen bekannte Welt, startet die Hauptfigur ein Fragenkarussell über Freiheit, Einsamkeit, Überlebensstrategien und ihre Sinnlosigkeit. Diese Figurenzeichnung von Kleinkind bis zur sterbenskranken Frau über 60 beschreibt sie im ersten Drittel des Romans als jüngstes Gruppenmitglied ohne jedwede Erinnerung, unter jahrelanger, mangelhafter Ernährung, ohne pubertäre Begleiterscheinungen, in vielen Gedankenszenarien als Zuhörer zwischen den ängstlichen Frauen schließlich ihren Platz findend. Nach einem unerwarteten Alarmsignal eilen die Frauen plötzlich durch geöffnete Gittertüren in die triste Ebene hinter dem Wachhaus, weit entfernt jedweder Zivilisation. Außerhalb des bisherigen vertrauten Käfigs, ohne Wärter, beginnen schnell sinnvolle Überlebensstrategien für die verängstigte Frauengruppe zu greifen, einander Halt und Hoffnung gebend, weitere Wachhäuser plündernd, bis nach vielen Jahren die vorletzte Frau voller Resignation stirbt mit der traurigen Erkenntnis, zwar frei zu sein, jedoch in Wahrheit nur das Gefängnis gewechselt zu haben. Der finale Romanteil beschreibt das abenteuerliche Weiterziehen der mutigen, neugierigen Erzählerin, mit weiteren Fragen unbeantwortet: : Was ist der eigentliche Sinn des Lebens? Und was macht ein Leben lebenswert? Auch praktische Antworten z.B. hinsichtlich des plötzlichen Verschwindens der Wärter oder zur anhaltenden Stromversorgung fehlen. In dieser deprimierenden, düsteren Atmosphäre ohne geliebte Männer werden auch queere Themen und Jungfräulichkeit angerissen.
Ein Buch mit viel Potential für Diskussionen.
Ein Buch mit viel Potential für Diskussionen.