Was macht Menschlichkeit aus?

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In einem unterirdischen Bunker, abgetrennt von der Welt, vegetieren vierzig Frauen dahin. Unter ihnen unsere namenlose Ich-Erzählerin, die jüngste von allen. Es gibt keine Erklärung wie es zu dieser Situation gekommen ist. Oder wer dafür verantwortlich ist. Bewacht werden sie tagtäglich von Wärtern, die nur durch Bestrafungen und sporadische Essensrationen mit ihnen kommunizieren, ohne Worte oder Barmherzigkeit. Eingepfercht wie Tiere auf engstem Raum, wird den Frauen jede Würde und Privatsphäre genommen. Die Autorin schafft eine beklemmende, düstere Atmosphäre, die den inneren Stillstand und die Resignation der gefangen gehaltenen Frauen greifbar macht.

Während die anderen noch Erinnerungen an ein Leben davor haben - an Freiheit, Freude, an das, was sie verloren haben, kennt die Ich-Erzählerin nur diese düstere Enge. Ihre Welt ist der Bunker, ihre Realität die Gefangenschaft. Bildung und Wissen werden zum Machtinstrument. Und doch ist es gerade ihre unfassbare Neugier, die sie am Leben hält. Sie sucht nach Sinn in einer Welt, die keinen mehr zu bieten hat.

Nach der Flucht aus dem Bunker hält sie ihre Erlebnisse fest. Ihre Aufzeichnungen sind mehr als ein Bericht: Sie sind ein Zeugnis des Überlebens, eine Reflexion über Isolation, Identitätsverlust und die Frage, was den Menschen im Angesicht der Entmenschlichung noch ausmacht. Auf nur 200 Seiten entfaltet die Autorin eine schonungslose Studie über menschliche Existenz.

Erschienen ist der Roman bereits 1995 und durch TikTok die letzten Jahre über wiederentdeckt worden. Dieses Jahr frisch aus dem Französischen von Luca Homburg übersetzt.