Was weiß sie? Was weiß ich? Offenbar nichts.

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kobina Avatar

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„Ich, die Männer nicht kannte“ von Jacqueline Harpman ist eines dieser Bücher, bei denen ich nach der letzten Seite nicht so recht wusste, was ich eigentlich empfunden habe. Es war spannend – aber irgendwie auch nicht. Ständig wollte ich weiterlesen, weil ich Antworten suchte, und gleichzeitig bestand ein großer Teil der Leseerfahrung daraus, eben diese Antworten nicht zu bekommen.

Was der Autorin allerdings hervorragend gelingt, ist die Übertragung des Wissensdursts ihrer Protagonistin auf die Lesenden. Ihr ständiges Fragen, Suchen und Nicht-Verstehen wird fast körperlich spürbar. Man leidet konsequent mit ihr mit. Das macht das Buch eindringlich, hinterlässt aber auch eine gewisse Frustration, weil viele dieser Fragen unbeantwortet bleiben.

Die Figuren wirken dabei bemerkenswert menschlich. Nicht unbedingt sympathisch und für mich auch nicht immer nachvollziehbar, aber durchaus realistisch angesichts ihrer Situation. Besonders die Protagonistin konnte ich sehr gut verstehen, während mir die Gedanken und Handlungen vieler anderer Charaktere deutlich fremder blieben.

Etwas ratlos zurückgelassen hat mich hingegen die Einordnung als feministischer Klassiker. Vermutlich hängt das stark mit der Zeit der Erstveröffentlichung zusammen, denn nach heutigen Maßstäben erschien mir das Buch nicht automatisch feministisch, nur weil die Hauptfigur eine Frau ist. Vielleicht erschließt sich dieser Aspekt anderen Lesenden stärker als mir.

Und dann muss ich noch kurz über den Titel sprechen: „Ich, die Männer nicht kannte“ ist schon eine erstaunlich gewagte Behauptung, wenn bereits auf den ersten Seiten beschrieben wird, dass die Frauen von männlichen Wärtern bewacht werden.

Am Ende bleibt für mich ein interessantes, aber erstaunlich nichtssagendes Buch, das weniger von Antworten als von Fragen lebt. Ob man diese Erfahrung als faszinierend oder frustrierend empfindet, wird vermutlich stark davon abhängen, wie gut man mit offenen Rätseln und fehlender Auflösung umgehen kann.