Wunderbar sonderbar und fesselnd

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nähpummelchen Avatar

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Titel und Cover des Buches haben mich zunächst gar nicht interessiert. Doch als ich gelesen habe, dass Vergleiche zu "Der Report der Magd" und "Die Wand" gezogen wurden, habe ich zugriffen. Bloß gut! Ich war von Anfang an gefesselt. Das Buch ist zutiefst melancholisch geschrieben und versteht es, den Lesenden mitzunehmen in eine völlig andere Welt, ohne das Vokabular der unsrigen zu benutzen und stattdessen viel mit Be- und Umschreibungen zu arbeiten.
Vierzig Frauen werden in einem unterirdischen Gefängnis festgehalten - schon seit vielen Jahren. Nur eine von ihnen ist so jung, dass sie sich nicht an die Zeit vor dem Gefängnis erinnern kann und die Welt "davor" nur aus den vagen Erinnerungen und Erzählungen der anderen Frauen kennt. Als sie durch einen Zufall, den die Frauen nie verstehen werden und nie erfahren, wie es dazu gekommen ist, aus ihrem Gefängnis frei kommen, und ihre Füße wieder auf die Erde setzen, erkennen sie diese Welt nicht wieder. Vor ihnen liegt nichts als eine öde Landschaft. Es herrschen immer nahezu gleichbleibende Temperaturen, das Wetter ändert sich nur wenig. Sie begegnen keinem anderen lebenden Wesen. Sie beginnen zu wandern, über viele Jahre hinweg, und entdecken weitere unteriridische Gefängnisse, aus denen die Gefangenen leider nicht entkommen konnten und verstorben sind. In den Gefängnissen brennt immer noch das Licht. Woher es kommt, bleibt ungeklärt. Die Lebensmittelvorräte in den Gefängnissen scheinen endlos und so ist das Überleben der Frauen über Jahrzehnte hinweg gesichert. Die Zeit verrinnt, ohne dass sich das Leben der Frauen groß verändert. Nur die Zeit fordert ihre Opfer - die Frauen werden alt und sterben. Bis zuletzt nur die jüngste von ihnen übrig bleibt.
Ich war fasziniert, auf welche fesselnde Art ich von der Geschichte in eine andere Welt entführt wurde, ohne dass es sich beklemmend anfühlte. Es war einfach nur interessant. Am Ende des Buches bleiben nahezu alle Fragen offen: Wie es dazu kam? Weshalb die Frauen eingesperrt wurden? Warum es noch mehrere Gefängnisse gab? Wie kam es dazu? Woher kommt der Strom? Wo befinden sich die Gefangenen? Wohin sind die Wachen verschwunden? Wie kam es dazu, dass die Notizen der letzten Gefangenen gefunden wurden? Nichts davon wird beantwortet und all diese Rätsel und Unklarheiten machen die Geschichte noch faszinierender.