Zeitlose Literatur
Moi qui n'ai pas connu les hommes, 1995 erstmals auf Französisch erschienen und später als Ich, die Männer nicht kannte ins Deutsche übersetzt, ist das erste Werk der belgischen Autorin Jacqueline Harpman, welches einem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht wird. Dass dieser Roman zur Übersetzung ausgewählt wurde, wirkt heute wie ein Glücksgriff.
Lange habe ich gezögert, ob ich dieses Buch lesen soll. In einer ohnehin krisenhaften Welt schien mir eine dystopische, postapokalyptische Geschichte fast zu belastend. Doch manchmal findet einen ein Buch genau zur richtigen Zeit. Und dieses hier ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie außergewöhnlich gut Literatur altern kann.
Die Ausgangssituation ist ebenso verstörend wie faszinierend: eine surreale, zunächst beinahe misogyn wirkende Konstellation, die sich im Verlauf als weitaus vielschichtiger entpuppt. Erzählt wird die Geschichte von einer namenlosen Ich-Erzählerin, deren Mischung aus Neugier, Mut und emotionaler Distanz sie zu einer einzigartigen Figur macht. Durch ihre bruchstückhaften Erinnerungen und den rückblickenden Erzählton entsteht eine eigentümliche Nüchternheit im Angesicht des Grauens. Wir fühlen mit ihr und bleiben ihr doch seltsam fern.
Besonders eindrücklich ist das Zusammenspiel der Frauen im Bunker: unterschiedliche Vergangenheiten, unterschiedliche Temperamente und doch ein erstaunlich lebensnahes Bild von Freundschaft unter extremen Bedingungen. Der Roman gliedert sich in zwei deutlich unterscheidbare Teile, deren Atmosphäre jeweils von Trostlosigkeit geprägt ist, in denen aber kleine, fast zarte Momente des Triumphs aufscheinen.
Bemerkenswert ist, wie modern der Roman wirkt.
Obwohl er vor über dreißig Jahren veröffentlicht wurde, entfaltet er heute eine fast beunruhigende Aktualität. Themen wie Isolation, Machtstrukturen und die Frage nach dem Wesen des Menschseins erscheinen keineswegs veraltet. Im Gegenteil: sie treffen einen Nerv unserer Gegenwart. Auch die deutsche Übersetzung liest sich makellos und transportiert die kühle Präzision der Sprache ohne jede Holprigkeit.
Wer allerdings klare Antworten und sauber aufgelöste Handlungsfäden sucht, wird hier nicht fündig. Viele Fragen bleiben offen, manches wirkt bewusst unbeantwortet. Doch gerade diese Ungewissheit ist Teil der erzählerischen Kraft. Dieser Roman ist keine einfache Lektüre, aber eine kluge und fordernde.
Lange habe ich gezögert, ob ich dieses Buch lesen soll. In einer ohnehin krisenhaften Welt schien mir eine dystopische, postapokalyptische Geschichte fast zu belastend. Doch manchmal findet einen ein Buch genau zur richtigen Zeit. Und dieses hier ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie außergewöhnlich gut Literatur altern kann.
Die Ausgangssituation ist ebenso verstörend wie faszinierend: eine surreale, zunächst beinahe misogyn wirkende Konstellation, die sich im Verlauf als weitaus vielschichtiger entpuppt. Erzählt wird die Geschichte von einer namenlosen Ich-Erzählerin, deren Mischung aus Neugier, Mut und emotionaler Distanz sie zu einer einzigartigen Figur macht. Durch ihre bruchstückhaften Erinnerungen und den rückblickenden Erzählton entsteht eine eigentümliche Nüchternheit im Angesicht des Grauens. Wir fühlen mit ihr und bleiben ihr doch seltsam fern.
Besonders eindrücklich ist das Zusammenspiel der Frauen im Bunker: unterschiedliche Vergangenheiten, unterschiedliche Temperamente und doch ein erstaunlich lebensnahes Bild von Freundschaft unter extremen Bedingungen. Der Roman gliedert sich in zwei deutlich unterscheidbare Teile, deren Atmosphäre jeweils von Trostlosigkeit geprägt ist, in denen aber kleine, fast zarte Momente des Triumphs aufscheinen.
Bemerkenswert ist, wie modern der Roman wirkt.
Obwohl er vor über dreißig Jahren veröffentlicht wurde, entfaltet er heute eine fast beunruhigende Aktualität. Themen wie Isolation, Machtstrukturen und die Frage nach dem Wesen des Menschseins erscheinen keineswegs veraltet. Im Gegenteil: sie treffen einen Nerv unserer Gegenwart. Auch die deutsche Übersetzung liest sich makellos und transportiert die kühle Präzision der Sprache ohne jede Holprigkeit.
Wer allerdings klare Antworten und sauber aufgelöste Handlungsfäden sucht, wird hier nicht fündig. Viele Fragen bleiben offen, manches wirkt bewusst unbeantwortet. Doch gerade diese Ungewissheit ist Teil der erzählerischen Kraft. Dieser Roman ist keine einfache Lektüre, aber eine kluge und fordernde.