Ehrlich, direkt und mit einer guten Portion Humor

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
jule2005 Avatar

Von

Schon der Titel Ich erklär das jetzt mal psychologisch hat mich neugierig gemacht. Das Cover wirkt schlicht und gleichzeitig selbstbewusst und passt damit gut zu dem Eindruck, den die Leseprobe vermittelt. Hier wird Psychologie nicht unnötig kompliziert erklärt, sondern direkt auf unseren Alltag übertragen.

Stefanie Stahl schreibt sehr persönlich, pointiert und mit viel Humor. Besonders ihre Reaktion auf die Frage, warum es überhaupt einen „Hype um die Psyche“ gibt, hat mir gefallen. Man merkt sofort, dass sie eine klare Meinung hat und diese auch nicht unnötig vorsichtig verpackt. Gleichzeitig schafft sie es, komplexe psychologische Zusammenhänge verständlich zu erklären, ohne dass der Text wie ein trockenes Lehrbuch wirkt.

Besonders interessant fand ich das Kapitel über Wunschdenken und Verdrängung. Die Beispiele von Anna und Max machen sehr anschaulich, wie wir manchmal an Beziehungen, Jobs oder Gewohnheiten festhalten, obwohl wir eigentlich längst wissen, dass sie uns nicht guttun. Spannend fand ich dabei vor allem die Erklärung, dass Wunschdenken nicht einfach nur eine bewusste Selbsttäuschung ist, sondern auch eine Art Schutzmechanismus sein kann. Dadurch wird das eigene Verhalten plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet.

Auch die kleine Geschichte mit dem vermeintlichen Kaffee, der sich als Zucker herausstellt, fand ich großartig. Sie bringt auf humorvolle Weise auf den Punkt, wie stark unsere Erwartungen beeinflussen können, was wir überhaupt wahrnehmen. Genau solche Beispiele machen die psychologischen Inhalte für mich greifbar und sorgen dafür, dass man beim Lesen immer wieder über das eigene Verhalten nachdenkt.

Die Leseprobe hat bei mir vor allem Lust auf die weiteren Themen geweckt. Schon das Inhaltsverzeichnis verspricht eine spannende Mischung aus Beziehungen, Selbstwert, Freundschaft, gesellschaftlichen Entwicklungen, Verschwörungserzählungen und sogar der Frage, ob ChatGPT eine Psychotherapie ersetzen kann. Ich erwarte deshalb viele Denkanstöße, ehrliche Einblicke und vielleicht auch den ein oder anderen Moment, in dem ich mich selbst ertappt fühle. Nach dieser Leseprobe würde ich sehr gerne weiterlesen, denn genau diese Verbindung aus Psychologie, Alltag und Stahls direkter Art gefällt mir ausgesprochen gut.