Unterhaltsam und wichtig

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aurora79 Avatar

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Ich habe das Buch „Ich erzähle von meinen Beinen“ sehr gerne gelesen, da es auf eine sehr nahbare und dabei witzige Weise geschrieben ist. Lakonisch werden skurrile Momente aneinandergereiht. Ich habe mich also zum einen gut unterhalten gefühlt und musste oft schmunzeln.

Andererseits fühlte ich mich auch auf einer tieferen Ebene angesprochen und verstanden: Hier beschreibt eine neurodivergente Protagonistin ihr Erleben und Denken. Dabei fühlt man sich ihr schnell verbunden, da die Handlung aus ihrer Sicht geschildert wird. Zwar erfährt man auch, wie andere auf sie reagieren, aber man sieht und erlebt durch ihre Augen und hat Teil an ihren Gedanken. So beschreibt sie die Schwierigkeiten, die sie als bis dahin nicht diagnostizierte ADHSlerin in ihrem Leben erfährt und erfahren hat.

Damit ist das Buch für mich ein wichtiger Beitrag dazu, das Erleben neurodivergenter Menschen auch für neurotypische Menschen nachvollziehbarer zu machen und zu deren Verständnis beizutragen. Während Neurodivergenz bei jüngeren Menschen häufiger diagnostiziert wird, sehen sich ältere Neurodivergente häufig mit einem Leben konfrontiert, das durch fehlendes Verständnis ihrer Umwelt geprägt wurde, sowie mit einer Persönlichkeit, die gelernt hat, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu funktionieren – oft so lange, bis die eigenen Ressourcen erschöpft sind. In diesem Buch kann man die Protagonistin dabei begleiten, wie sie sich mit sich und ihrem Leben auseinandersetzt, in Gang gesetzt durch die Diagnose ihrer Tochter.

Ich empfehle das Buch allen Neurodivergenten, insbesondere jenen, die ganz am Anfang ihrer Selbstfindung stehen, oder jenen, die sich mit ihrem Anderssein allein gelassen fühlen. Aber auch all jenen, die einfach neugierig sind, wie es sich als Mensch mit ADHS (und vielleicht auch Autismus) lebt. Ich habe mich durch das Buch auf jeden Fall verstanden und mit meinen Problemen weniger allein gefühlt.