Von der Anstrengung des Lebens mit nicht diagnostizieren ADHS

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jacq_roe Avatar

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Seit Langem hat mich kein Buch so erschöpft wie dieses. Aber das lag nicht etwa an der Sprache oder der Länge des Romans. Vielmehr ist die Erschöpfung der Ich-Erzählerin so spürbar, dass ich mich beim Lesen selbst manchmal miterschöpft fühlte.

Ich war meinem Kopf zwischendurch richtig dankbar für all das, was er nicht denkt.

Wallie hat da weniger Glück, ihre Gedanken wollen einfach nicht stillstehen. Immerzu ist irgendetwas zu räumen, zu suchen, zu putzen, eben zu erledigen und schon die Gedanken daran sind für Wallie erschöpfend. Nichts will ihr einfach mal so von der Hand gehen.

Und mancher spontane Gedanke erweist sich im Nachhinein als besonders wenig hilfreich, z.B. die der Tochter verschriebenen ADHS-Medikamente selbst zu nehmen anstatt sie der Tochter zu geben.

Die Geschichte, die sich hier entspinnt, ist wild und verworren und weiblich und intensiv und gut und irgendwie alles zugleich.

Auch die Form hat mir sehr gut gefallen. Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas schwingt immer wieder ein augenzwinkernder Ton mit. Die Ich-Erzählerin streut zudem kleine Spoiler ein, die eine Ahnung von einem künftigen dramatischen Geschehen erzeugen. Bestimmte Textpassagen werden durch eine veränderte Textausrichtung hervorgehoben. Mitunter besteht eine Seite sogar nur aus zwei oder drei Sätzen.

Alles in allem eine Lektüre, die ich gerne empfehle.