Zwischen Chaos im Kopf und echtem Leben

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
annaaa Avatar

Von

In Ich erzähle von meinen Beinen begleitet man Wally, die scheinbar alles im Griff hat: Familie, Haushalt, Alltag. Doch als sie plötzlich zusammenbricht und im Krankenhaus landet, gerät dieses Bild ins Wanken. Parallel zur ADHS-Diagnose ihrer Tochter beginnt Wally auch ihr eigenes Verhalten neu zu hinterfragen – ihre Unruhe, ihre Gedanken, ihre Überforderung. Was folgt, ist eine sehr persönliche, ehrliche Auseinandersetzung mit Neurodivergenz, Mental Load und dem ständigen Versuch, einfach zu funktionieren.
Dieses Buch hat mich wirklich abgeholt. Es ist lustig, wahr, unglaublich nachvollziehbar – und vor allem eines: sehr nah dran. Ich konnte mich in vielen Momenten wiedererkennen und habe oft geschmunzelt oder laut gelacht, während mich andere Passagen tief berührt haben.
Der Schreibstil ist besonders – mit teilweise sehr kurzen Kapiteln, fragmentierten Gedanken und ungewöhnlicher Formatierung, wie rechtsbündig gesetzten Passagen. Das hat mich anfangs kurz irritiert, ergibt im Kontext aber total Sinn und unterstützt das Erleben der Geschichte enorm. Man liest nicht nur über Wallys Gedankenwelt, man fühlt sie.
Besonders beeindruckend ist, wie ehrlich und reflektiert dieses Buch geschrieben ist. Es zeigt Überforderung, innere Unruhe und Chaos im Kopf auf eine Weise, die weder beschönigt noch bewertet, sondern einfach greifbar macht. Gleichzeitig schafft es der Roman, trotz der Schwere immer wieder Leichtigkeit und Humor einzubauen.
Ich habe mich beim Lesen sehr verstanden gefühlt. Dieses Buch nimmt einen an die Hand, fängt einen auf, bringt einen zum Lachen, zum Nachdenken – und manchmal fühlt es sich tatsächlich an, als würde es einen umarmen. Vor allem die letzten Seiten haben mich emotional noch einmal richtig getroffen.
Ein unglaublich wichtiges, bewegendes und gleichzeitig unterhaltsames Buch, das lange nachhallt.