Eindrucksvoll, vertraut, authentisch und berührend.

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aerdna Avatar

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Ich würde gerne einfach nur ein schlichtes Ja schreiben. Ja zum Buch, ja zur Auseinandersetzung. Ja zur Aufarbeitung.
Judith Hermanns Buch fühlt sich schlicht natürlich an und hinterlässt trotz des schweren Themas eine große Weite, weil es meine eigenen Fragen aufgreift. Diese Leerstellen gibt es in meiner Familie ebenfalls und, eine Generation jünger, habe auch ich immer noch dieses Thema und diese Fragen - die sich in der Folgegeneration, also der der Urenkel, fortgesetzt haben und es weiter tun.
Der Schreibstil ist authentisch, ehrlich, offen; gleichzeitig warm, heimatgebend - innere Heimat - weil er nichts verschweigt und nichts beschönigt. Gerade in der Beschreibung der eigenen Nervosität, des Zögerns, Zweifelns, Stolperns, Noch-nicht-Wissens als angenommenem, gelebtem Jetzt-Zustand, dessen Aufklärung aber konsequent immer weiter verfolgt wird, liegt etwas tröstlich Echtes.
Mutig würde es treffen und auch wieder nicht; für mich fühlt sich Judith Hermanns Reise am ehesten natürlich an, unserem eigentlichen integren, authentischen Selbst entsprechend. Und schön wäre es, wenn wir das eines Tages nicht mehr mutig nennen müssten, sondern selbstverständlich dazu sagen dürften - und die Wiederholung dieses Teils unserer Geschichte damit abwenden würden.
Das Cover finde ich gut gewählt, passend. Einerseits spezifisch inhaltlich, andererseits generell thematisch. In meiner Heimatstadt gibt es viele dieser Altbauvillen und eine umfangreiche jüdische Geschichte - auch von Enteignung, Vertreibung, Zerstörung und Mord. Ich kann nie an diesen Häusern vorbeigehen, ohne ein klein wenig auch diesen Teil der Geschichte im Kopf zu haben.
Ich möchte zurückgehen in der Zeit kommt ganz klar auf meine Leseliste.
Schön finde ich auch, das im Buch sehr gute ergänzende Literatur erwähnt wird. Das eine oder andere davon habe ich mir ebenfalls vorgemerkt.