Erinnerung als tastende Bewegung

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apfelmaus Avatar

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Ich möchte zurückgehen in der Zeit von Judith Hermann hat mich bereits auf den ersten Seiten tief hineingezogen. Der Text ist leise, konzentriert und von einer großen sprachlichen Genauigkeit geprägt. Hermann nähert sich der Vergangenheit nicht erklärend oder urteilend, sondern tastend, in Beobachtungen, Gedankenbewegungen und Zwischenräumen. Besonders eindrücklich ist, wie Erinnerung, Schweigen und familiäre Leerstellen miteinander verwoben werden. Der Ton ist ruhig, beinahe meditativ, und gerade dadurch sehr eindringlich. Es geht weniger um Antworten als um das Aushalten von Ungewissheit und die Frage, was Erinnern überhaupt leisten kann. Die Leseprobe vermittelt eine große atmosphärische Dichte und macht neugierig auf den weiteren Weg dieser sehr persönlichen, zugleich gesellschaftlich relevanten Annäherung an Geschichte und Verantwortung.