Familiäre Spurensuche auf hohem literarischen Niveau

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
bedard Avatar

Von

Die Auseinandersetzung mit der Rolle der Großelterngeneration im Nationalsozialismus ist zur Zeit wieder ein größeres Thema. Vermutlich hat es auch damit zu tun, dass die Zeit knapp wird, die eigenen Eltern fragen zu können.
Judith Hermann ist da keine Ausnahme, allerdings liest sich ihr Text deutlich sperriger und anspruchsvoller als ähnliche Auseinandersetzungen mit der NS-Vergangenheit eines Vorfahren.
Die Autorin beschreibt die wenig ergiebige Einsicht in die Akte ihres Großvaters, aus der sie lediglich seine SS-Vergangenheit bestätigt sieht. Aber sie erfährt auch, dass ihre Mutter deutlich früher als bisher behauptet von der SS-Tätowierung auf seinem Unterarm wusste. Die Gespräche mit der Mutter gestalten sich schwierig, zumal Judith Hermann sich auf Spurensuche in Polen aufhält. Sie schreibt über die Bücher, die sie liest und die ausführliche Auseinandersetzung mit Margarete Mitscherlichs "Die Unfähigkeit zu trauern".

Ich möchte sehr gerne herausfinden, ob es der Autorin gelingt, auf ihre offenen Fragen für sie zufriedenstellende Antworten zu bekommen. Noch mehr interessiert mich aber der Weg, den sie dabei beschreitet.

Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Es reiht sich stilistisch in die bisher erschienenen Bücher der Autorin ein und es passt gut zum Thema.