Auf der Suche nach Antworten

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
irislobivia Avatar

Von

Judith Hermann macht sich in ihrem Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ auf die Suche nach Antworten. Beharrlich versucht sie die Lücken in ihrer Familiengeschichte zu füllen, ihrem Großvater auf die Spur zu kommen, der im Zweiten Weltkrieg vermutlich zu den Tätern gehörte, die im polnischen Radom für unendliches Leid in der Bevölkerung sorgten. Vier Wochen lang besucht sie eines Winters die Stadt, spürt nach und findet wenig. Was für ein Mann ihr Großvater war, von dem schon ihre Mutter nur sehr wenig zu erzählen hat, kann sie nicht ergründen, ebenso wenig wie seine Schuld. Tief taucht sie in die Geschichte der Stadt und seiner Menschen ein, nachdenklich, leise, intensiv. Wie geht man mit der Schuld um? Was macht das mit einer Familie? Wie stellt man sich der Vergangenheit der Vorfahren, das sind Fragen, die Judith Herrmann stark bewegen, anders als Mutter und Schwester. Während die eine immer tiefer gräbt, je weniger sie findet, blendet die andere die Schuld der Vorfahren und ihre Vergangenheit komplett aus, lebt im Hier und Jetzt – als Archäologin in Pompeji widmet sie sich ausschließlich geschlossenen Befunden, ist an der jüngeren Geschichte ihrer Familie jedoch nicht interessiert. Hier stoßen zwei Perspektiven aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und das Buch dadurch einmal mehr zu etwas ganz Besonderem machen.