Berührt und wirkt nach

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Judith Hermanns reist zu Beginn ihres Buches „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ nach Radom in Polen, um dort Antworten auf Fragen zur SS-Vergangenheit ihres Großvaters, den sie nie persönlich kennengelernt hat, zu finden.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die sich auf unterschiedliche Weise der Erfahrung von Verlust und Erinnerung annähern. Das Unausgesprochene schwebt dabei stets im Raum und wirft Fragen auf. Besonders eindrucksvoll sind Hermanns präzise Beobachtungen und ihre ruhige, konzentrierte Sprache, mit der sie Situationen und Stimmungen einfängt. Auch die Schilderung der Beziehung zu ihrer Schwester ist sehr berührend. Im Verlauf schlägt das Buch eine andere Richtung ein, als man zu Beginn vermuten könnte, und öffnet den Blick zunehmend für allgemeinere, kluge Gedanken über Zeit, Erinnerung und Leben. Ein ehrliches, literarisches und sehr nachhaltiges Buch - große Leseempfehlung!