Die dritte Generation
Was ist schlimmer: wenn ein naher Angehöriger Opfer oder Täter wird? Im Nationalsozialismus gab es da klare Zuordnungen, und in heutigen Umfragen zählen viel weniger Zeitgenossen Schuldige zu ihren Vorfahren, als es nach statistischen Erkenntnissen der Fall sein muss. Diese Frage treibt die renommierte Autorin Judith Hermann um, als sie Indizien für die Tätigkeit ihres Großvaters als SS-Mann in Polen findet. Um Klarheit zu gewinnen, fährt sie hin, nachdem sie in ihrer Familie keine zuverlässigen Auskünfte erhielt.
Aber auch dort stößt sie nur auf Schwierigkeiten bei der Recherche nach Quellen. Um sich mental auf das Thema einzustimmen, liest sie Mitscherlich, Pavese und andere. Sie versucht sich in die Stadt Radom einzufühlen und befragt Mitmenschen. Dabei verzeichnet sie auch Nebensächliches, Belangloses neben Schwergewichtigem und kämpft, die Zeit ganz alleine verbringend, um ihre innere Balance. Wie im Tagebuch liest sich das oder wie ein Brainstorming, flüchtig dahingeworfen zur späteren sorgfältigeren Ausarbeitung, und mich als Leser frustriert es bestimmt genauso wie die Schriftstellerin, dass sie eigentlich gar keine konkreten Ergebnisse vorweisen kann. Deshalb wird jeder, der historische Erkenntnisse erwartet von diesem Buch, enttäuscht werden.
Das Thema "Familie" zieht sich leitmotivisch durch den gesamten Text, auch indem sie einen Exkurs über das Familienstellen einflicht, und die Spurensuche verschiebt sich hin zu einem individuellen Bewältigungsprozess, den weder Mutter noch Schwester in irgendeiner Weise unterstützen, sondern eher noch kritisieren. Letztere besucht die Protagonistin direkt im Anschluss, und deren Tätigkeit als Archäologin in Neapel und Pompeji kann man als metaphorisch ansehen. Ihre Haltung hebt sich sehr kontrastreich von der der Schwester ab.
Stilistisch hat mich sehr irritiert, dass sie in den Dialogen ohne Anführungszeichen auch auf die Fragezeichen bei eindeutigen Fragesätzen verzichtet und diese dadurch vielleicht zu Aussagen ummünzt.
Am Ende habe ich es als ein therapeutisches Schreiben verstanden und als ein Reflektieren über die Frage, wie geht man um mit familiären "Leichen im Keller".
Aber auch dort stößt sie nur auf Schwierigkeiten bei der Recherche nach Quellen. Um sich mental auf das Thema einzustimmen, liest sie Mitscherlich, Pavese und andere. Sie versucht sich in die Stadt Radom einzufühlen und befragt Mitmenschen. Dabei verzeichnet sie auch Nebensächliches, Belangloses neben Schwergewichtigem und kämpft, die Zeit ganz alleine verbringend, um ihre innere Balance. Wie im Tagebuch liest sich das oder wie ein Brainstorming, flüchtig dahingeworfen zur späteren sorgfältigeren Ausarbeitung, und mich als Leser frustriert es bestimmt genauso wie die Schriftstellerin, dass sie eigentlich gar keine konkreten Ergebnisse vorweisen kann. Deshalb wird jeder, der historische Erkenntnisse erwartet von diesem Buch, enttäuscht werden.
Das Thema "Familie" zieht sich leitmotivisch durch den gesamten Text, auch indem sie einen Exkurs über das Familienstellen einflicht, und die Spurensuche verschiebt sich hin zu einem individuellen Bewältigungsprozess, den weder Mutter noch Schwester in irgendeiner Weise unterstützen, sondern eher noch kritisieren. Letztere besucht die Protagonistin direkt im Anschluss, und deren Tätigkeit als Archäologin in Neapel und Pompeji kann man als metaphorisch ansehen. Ihre Haltung hebt sich sehr kontrastreich von der der Schwester ab.
Stilistisch hat mich sehr irritiert, dass sie in den Dialogen ohne Anführungszeichen auch auf die Fragezeichen bei eindeutigen Fragesätzen verzichtet und diese dadurch vielleicht zu Aussagen ummünzt.
Am Ende habe ich es als ein therapeutisches Schreiben verstanden und als ein Reflektieren über die Frage, wie geht man um mit familiären "Leichen im Keller".