Die Leerstellen der dritten Generation

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elkestricker Avatar

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Judith Hermann greift in ihrem neuesten Roman „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ ein Thema auf, das viele Familien nicht nur in Deutschland, sondern bestimmt in ganz Europa beschäftigt: Was haben die Großeltern in der Zeit des Krieges erlebt, sind sie schuldig geworden, warum wurde nie über diese Zeit berichtet.
Das Buch gliedert sich in drei Teile: Die Reise in die polnische Stadt Radom, in der Hermanns Großvater als SS-Offizier stationiert war, später ihre Reise zur Schwester nach Neapel und die Episode um das kurzzeitige Verschwinden der Schwiegereltern.
Keins dieser Themen führt zu einem anschließendem Ergebnis, die Erkenntnis bleibt, dass immer große Lücken bleiben und die Generationen von uns ihre Gründe für dieses Schweigen haben, aber selbst nicht benennen können.
Gut gefiel mir, dass die Gedanken, Gefühle von Judith Hermann klar dargestellt werden, ihre Handlungen sind nachvollziehbar, jedoch bleiben innerhalb der Familie weiter diese Leerstellen, von denen Mutter und Schwester überhaupt nichts wissen wollen.
Ein sehr nachdenklicher Roman in einer wunderbaren Sprache, der mich jedoch etwas ratlos zurücklässt.