Ein Versuch der Aufarbeitung

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mikki44 Avatar

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Judith Hermann hat mit dem Buch "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" einen Versuch gestartet, die Vergangenheit ihres Großvaters mit seiner Rolle im Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Sie setzt sich mit der geschichtlichen Auseinandersetzung der Familie in Bezug auf das Thema auseinander und die Weitergabe der "Schuldfrage".
Gelesen habe ich das Buch sehr gerne. Judith Hermanns schreibt sehr klar und verständlich und hat mich als Leserin mit auf eine Reise genommen in ihre Familie. Auch thematisch finde ich das Buch hervorragend, weil es an uns ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.
Streckenweise muss ich aber sagen, dass sich Hermanns in der Geschichte etwas verrennt. Sie weicht ab vom eigentlichen Großvater und schwenkt in andere innerfamiliäre Konflikte um, die nicht zwangsweise mit dem Zugang zum Großvater zu tun haben. Sie beschreibt diesen als blinden Fleck und als geschichtslosen Mann. Da stelle ich mir aber wiederum die Frage, wieso ein ganzes Buch seiner vermeintlichen Geschichte widmen. Ist ein Mensch ein blinder Fleck, wenn er im Nationalsozialismus eine aktive Rolle gespielt hat?
Mit kritischem Blick auf einige Passagen, kann ich das Buch aber weiterempfehlen. Ein wahnsinnigen Tiefgang bietet es jedoch nicht, das haben andere Autor:innen besser geschafft.