Innerfamiliäre Erinnerungskultur - mühsam
Hermann führt uns ein in ihre eigene Familiengeschichte und versucht an ihren Großvater - einen ehemaligen SS-Mann zu erinnern. Man fliegt förmlich durch die Seiten, denn das Buch lässt sich außerordentlich angenehm lesen. Es soll um Erinnerungen und den Umgang mit diesen gehen, das gelingt Hermann nur phasenweise. Über die meiste Zeit liest sich der Text sich wie ein Tagebuch. Die Handlung kommt mühsam voran, erstreckt sich über die gesamte Länge und findet auch zu keinem wirklichem Ergebnis. Doch vielleicht ist genau das ein gutes Abbild der innerfamiliären Erinnerungskultur. Das wird klar durch die vielen Leerstellen, die das Buch lässt und die Autorin auch selbst als solche benennt. In der Tat spannend wäre ein Versuch Hermanns gewesen, die Leerstellen zu füllen oder ein Angebot an den Rezipienten zu machen, wie er oder sie diese zu interpretieren habe. Das Resümee fällt eher entäuschend aus.